Dinge heben. Für Männer und Frauen und Einhörner.

Frauen sind schwach. Männer sind stark.

Das ist eine goldene Regel.

Szene aus der Hüft/Bein Therapie in der Reha:

Ich greife nach der obersten Matte. Eine blaue etwas größere. Schliesslich bin ich groß.

„Nein, bitte nehmen Sie sich eine von den Roten. Die Herren: Bitte nehmen sie doch alle einmal eine blaue Matte, die sind schwerer.“

Ich lasse die blaue Matte liegen. Gehe auf meinen Platz zurück und schaue zu wie ‘die starken Männer’ sich ihre Matten holen. Ein humpelnder kleinerer Mitte-50ger, ein gebeugter und humpelnder langer, sehr schmaler … alle sind sie hier weil sie Probleme haben. Bei den beiden weiß ich auch welche. Ich weiß, dass grade ersterer viele Probleme mit Heben und überhaupt Bücken hat.

Alle Menschen die in Reha gehen haben körperliche Probleme. Ansonsten wären sie nicht hier. Bei mir isses halt nicht so mega dramatisch und ich hab durch meine Vorgeschichte mit vielen Dingen – wie zB Rückengerechtem Anheben von Dingen – eigentlich wenige, bis gar keine Probleme.

Trotzdem muss der wesentlich beeinträchigtere Kollege die schwere Matte nehmen und ich soll sie nicht nehmen.

Da geht’s gefühlt nur um 500g (was es lächerlich genug macht) – aber es geht noch extremer.

Ein Vortrag zum Thema Heben und Arbeitsplatzgestaltung. Da gibt’s dann ne Schicke Tabelle, welche Gewichte maximal wann wie oft getragen/gehoben werden sollten.

Bei <5% steht da bei Männern 55kg und bei Frauen 15kg.

Ganz im Ernst: 55kg heben is immer scheiße. Und wer nen fiesen Bandscheibenvorfall hat kann auch die 15kg nich ohne Schmerzen heben. Aber: wir Teilen nicht ein nach Können oder nicht Können, sondern nach männlich und weiblich. Ich finds absurd.

Frauen werden auf dieser Ebene halt voll entmündigt. Das zarte schwache Geschlecht, was mer immer beschützen muss und sich bloß nicht überlasten sollte und bei Männern werden teilweise absurde Ansprüche gestellt, so dass mer sich nich wundert, dass der Rücken dann kaputt is, oder zB sich jemand nicht traut zu erzählen, dass mer Schmerzen hat – weil als Manntm mus mer das ja können.

Jetzt kommt der Lieblingseinwurf einer Freundin von mir – sie ist Rettungsassistentin. „Frauen und Männer sind aber doch körperlich unterschiedlich“ – das sind Menschen immer. Und im Rettungsdienst kann ich verstehen, dass mer gewisse Kategorisierungen braucht um sich zB wegen der Dosierung von Medikamenten nen Orientierungspunkt zu haben. Ob das jetzt männlich/weiblich sein sollte/muss is dann nochmal was anderes, aber nun ja. Trotzdem muss mer bei nem Notfall ja noch schaun, wer da eigentlich vor einem liegt und es dann anpassen.

Bei der Reha – zumindest so wie ich es erlebt habe – macht es aber absolut keinen Sinn.

Da ist ein Raum voll mit ca 15 Patient_innen. Alle haben Gebrechen. Die Therapeut_innen wissen bei den wenigstens warum sie sich im Raum befinden. Da sollte mer doch zB einfach sagen – wer fitter is machts so, alle anderes könnens so machen.

Die Tabelle mit den 55kg und den 15kg hat dann auch im Alltag – der Realität – einfach keinerlei Relevanz. Ich hab in der Pflege mit großteils weiblichen Kolleg_innen gearbeitet – der Patient hatte 100kg und dann musste der halt auch mobilisiert werden. Und jetzt in der Produktion hab ich für jeden Scheiß Hilfsmittel und Kräne und muss eigentlich nie mehr als 15kg heben – da habe ich nur männliche Kollegen.

Auf der anderen Seite: in der Pflege wurde dann aber auch ab und an nach „den starken Männern“ (wenn dann mal welche da waren) gerufen. Was ich dann häufig nich verstanden hab, weil die Mädels das in der Regel ganz gut selbst hinbekommen haben, wenn keine Männer da waren. Ausserdem: warum sollten sich Männer mehr den Rücken ruinieren als Frauen? Wollen wir nich lieber drüber reden, wie mer Arbeit so gestalten kann, dass sich niemand mehr den Rücken kaputt machen muss?

Zum Schluss noch: Wenn einem Mädchen ein Leben lang erzählt wird „Das is zu schwer für dich. Mach das mal nich. Lass das mal den Jungen machen.“

Was hat das wohl für Auswirkungen?

Um mich nicht mehr so über die Leute in der Reha zu ärgern, blende ich die Phrasen in meinem Kopf einfach immer aus und ersetze Geschlechtsbezeichnungen durch das Wort Einhörner. Aber auf Dauer wärs mir ja lieber, wenn das nich mehr nötig wäre…

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„Oh, sehr glanzfeine Optik…“

vom Reden über Bier.

Ich mag ja Bier. Achtung Hype Wort: Craft-Bier. Wie schon ein paar mal erklärt. Grob heißt das so viel wie „handwerklich hergestellt“. Was ich daran mag: Das Bierbrauer_innen endlich wieder anfangen zu experimentieren. Das ich Abends weg gehen kann und mir nicht das ewig gleiche geschmackstote Becks vorgesetzt wird, sondern ich tatsächlich ab und an Auswahl von leckeren Biersorten habe. Welche, die nicht nur aus der Flasche und auf 6°C runtergekühlt schmecken, weil mer dann nichts mehr vom Geschmack mitbekommt.

Und wenn ihr Biertrinker_innen seid, die sagen die meisten Biere dieser „Carft-Bier-Szene“ schmecken ja gar nicht nach Bier: doch. Viel eher als die Plörre die mer beim Fußball trinkt. Industrielle Bierherstellung gibt’s nämlich erst seid ca 1950 – dh vorher hat Bier einfach komplett anders geschmeckt. Bis Mitte des 19Jh war zB jedes Bier eigentlich ein Rauchbier, weil das Malz mit Holz geröstet wurde. Das hat sich erst durch die Verwendung von Koks verändert. (Ja, die Darstellung ist verkürzt – wäre ein eigener Artikel)

Wenn jetzt hoffentlich ein kleiner Teil der Vorurteile weg ist, können wir uns mit dem Beschäftigen, worums hier im Text gehen soll. Die Sprache.

Die Sprache um Bier zu beschreiben.

Ich kannte das früher nur von Weinverkostungen und hab mich dann immer mit meinem Lieblings-Helge-Schneider Zitat drüber lustig gemacht: „Oh ja, der Wein mundet gar Rhombenförmig:“

Sprache um Genussmittel zu beschreiben klingt meistens unglaublich abgehoben und Etepetete. Beim Wein hat das meines Erachtens tatsächlich bei vielen Menschen auch damit zu tun, sich ab zu heben. Wein für die Menschen mit Stil, Bier für den Pöbel. Aber – wie immer gilt – nicht alle sind so. Meine Stiefmutter ist Weinhändlerin. Mit Leib und Seele. Da wird verkostet nach – schmeckt/schmeckt net. Natürlich ist sie geschulter was Geschmäcker betrifft, aber bei uns auf den Verkostungen wurde nicht „abgehoben geredet“. Was einen Grund hatte: Meine Stiefmutter, war neben ihrer Kollegin die einzige mit Ahnung. Wenn mein Vater, ich, die beste Freundin dabei saßen – wir haben den Geschmack halt beschrieben wie uns der Schnabel gewachsen war. Aber manchmal wäre es wirklich praktisch gewesen gleiche Begriffe zu haben, für etwas was mer beschreiben will.

Kommen wir zu meiner Hauptaussage: wenn du von etwas Ahnung hast brauchst du Begriffe um es zu beschreiben. Vergleichend zu beschreiben. So zu beschreiben, dass Leute mit Ahnung auch wissen was gemeint ist. Und so hat jede Sparte die eigene Sprache.

Wenn ich meinem Kollegen sage, dass er mir mal das Endmaß oder die Schieblehr geben soll, weiß er Bescheid. Handwerklich interessierte Menschen auch noch. Menschen die damit noch nie gearbeitet haben – nicht. Vollkommen in Ordnung: müssen se ja auch nicht.

Und so ist das auch mit Biersommelier und Menschen, die sich damit auseinandersetzen. „Das eignet sich auch eher als Degustationsbier.“ – „Ja, die Optik ist glanzfein.“ Das steht in dem Craft Bier Buch, was ich grade lese. Nicht, weil die Autorin so cool und hip ist. Nein. Sie ist Biersommelier. Und damit Expertin. Expertin die Fachbegriffe benutzt. In einem Buch, was sich niemand kaufen wird, der_die nicht ein Grundinteresse an Craft Bier hat. Und damit kann sie zu einem gewissen Grad eben auch Fachsprache benutzen.

Natürlich ist Sprache auch immer dazu da um zu zeigen, dass mer Seriös ist. Aber das tut jede_r – das ist kein Spezifikum von Menschen die Genussmittel verkosten und beschreiben.

Und ja: es gibt auch immer Deppen, die keine Ahnung haben und trotzdem mit allen möglichen aufgeschnappten Vokabeln rummackern, um mit ihrem coolen und hippen Wortschatz an zu geben.
Aber ganz im Ernst: sollen se machen. Ich lass mir davon mein Bier nich verderben. Und ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass ich mehr Ahnung von Verkostung und der Beschreibungssprache hätte, weil es mir unglaublich schwer fällt Geschmäcker zu beschreiben.

Grade auf der “Spiegelau“ Verkostung (hier der Bericht) hab ich gemerkt, dass mer Schmecken eben auch ein Stück weit lernen kann. Und das ist eigentlich ne ziemlich großartige Sache, weil ich da ne neue Welt von leckeren Dingen aufmacht. Und ich mag leckere Sachen.

Also: Scheuklappen weg. Lecker Bier trinken.

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Das “Du weißt ja wie ichs mein” und seine 3 Anwendungsarten.

Gemütlich zusammen sein. Ein Bier trinken. Alles gut. Dann kommt ein dummer Spruch – du verziehst die Miene und dein Gegenüber siehts. Noch bevor du was sagen kannst “Aber du weißt ja wie ichs mein” – ein Lächeln, und weiter. Hier ein kleiner Guide (natürlich nur aus meiner Perspektive) wie dieser Satz in Ordnung ist, oder einfach nur ein dämliches Äquivalent zu “Ich bin ja kein Sexist/Rassist .. aber..” ist.
Nr. 1
Ich sitze mit meinem besten Freund am Küchentisch. Wir trinken Bier und diskutieren über Politik. Zum Beispiel: den Nah-Ost Konflikt. Alkohol- und Emotionsbedingt finden wir nich immer die richtigen  Formulierungen für das, was wir gerne ausdrücken würden. “Ach du weißt ja wie ichs mein..” – und genauso ist es. Er is halt eher der Antideutsche/pro Israel Mensch und ich eher nicht.
Wenn mer wirklich mal nich weiß was die_der andere meint kommt von der anderen Person auch direkt als Antwort “Nö – weiß ich grade nicht.”

Nr.2
Mer kennt sich nicht so gut. Aber ab und an hat mer was miteinander zu tun. Versteht sich – hat aber bei nem gewissen Thema durchaus Differenzen. Mer diskutiert drüber. Nicht nur einmal. Kennt tatsächlich irgendwann grob die Position der anderen Person. Wie das zwischen Menschen dann ab und an mal is, neckt mer die andere Person dann auch mal mit ihren Positionen und Meinungen. Konterkariert. Provoziert. Wenn mer sich dann an grinst und ein “Du weißt wie ichs mein” sagt, is das meist in Ordnung. (Wie bei allem is das Maß und die Häufigkeit ein sehr entscheidender Faktor)

Nr.3.
Mer hat ab und an miteinander zu tun, aber mehr als oberflächliche Gespräche haben nie stattgefunden. Dann übertritt jemand die Grenzen von nem anderen Mensch. Ob körperlich oder verbal. Der Mensch der das macht weiß dann meist schon, dass das für die andere Person meist nicht so witzig ist. Deswegen kommt direkt die Ausrede “Ach, du weißt ja wie ichs mein”. In dem Falle ist das einfach nur dumm. Wenn mer Grenzen übertritt durch zB sexuelle Anspielungen oder rassistische “Witze” übetritt mer eben Grenzen. Mer sorgt dafür, dass andere Menschen sich unwohl fühlen. Aber anstatt dazu zu stehen, dass mer grade vielleicht Bockmist gebaut hat und die Konsequenzen zu tragen und zu sagen: sorry, dass war jetzt vielleicht zu viel, redet mer sich raus.

Also genau der gleiche Mechanismus wie bei “Ich bin ja nich…., aber..” Mer weiß auf ner menschlichen Ebene schon, dass das, was dann gesagt wird wahrscheinlich zB sexistisch ist. Mer möchte aber bitte nicht die Verantwortung dafür tragen und auch gar nicht reflektieren, was mer da sagt. Wer solche Sprüche bringt, sagt meistens auch “Ich bin halt direkt – ich kann nix anfangen mit solchen politisch Korrekten”. Dabei gehts hier gar nich um irgendwas “politisch korrektes” (so ein dummer Begriff) sondern darum, dass mer andere Menschen schlicht nicht respektiert bzw akzeptiert.

Und wisster was: das ist scheiße.

Natürlich kommts wieder auf die Häufigkeit an. Mer sacht sowas mal flapsig daher. Aber wenn jemand das ständig macht hats schlicht Methode.

Zusammengefasst: achtet doch einfach mal ein bisschen drauf in welchem Verhältnis ihr zu Menschen steht und ob das, was ihr grade sagt und_oder tut wirklich notwendig is, oder einfach nur stump verletzt, demütigt oder beleidigt.

Und nochwas. Wenn euch jemand sagt, dass sie_er sich mit sowas unwohl fühlt. Dann kann mer das auch mal akzeptieren und Rücksicht nehmen. Dinge die eine_n verletzen oder wehtun an zu sprechen,  is schon ne extreme überwindung und meistens machen Menschen das nicht aus Spaß, oder Prinzip, sondern weils ihnen einfach wirklich beschissen damit geht.

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Bücher die mer ewig nicht zu Ende liest…

Über “Thomas Bernhard – Das Kalkwerk”

Ich besitze dieses Buch mittlerweile glaube ich seid 4 Jahren. Warum? Ich liebe Bernhard. Ja. Politisch gesehn sollte mer ihn eher kritisch betrachten. Seine Bücher – lieb ich halt irgendwie trotzdem.

Mein erstes Buch von ihm: “Ein Kind” Teil seiner Autobiografie. Ich habs im Unttericht in der 11. Klasse gelesen. Aber erst nach der Klassenarbeit darüber: ich hatte in der Klausur nämlich zum ersten Mal Parts aus dem Buch wirklich gelesen. Das Buch hat mich dann auch nicht mehr recht losgelassen. Eines dieser Bücher die eins irgendwie nicht mehr ausm Kopf bekommt. Immer wieder dran denkt. Drüber nach denkt. Der Schreibstil: getrieben. Ohne Kapitel und Abschnitte. Einfach Text. Unglücklicher, resiginierter, Dinge nicht mögender Text.

Dann kam eines Tages ein Telefonat mit einem Freund. Das Thema kam auf Wittgenstein. Er sagte “Kennst du Bernhard, der hat da ein Buch geschrieben – Wittgensteins Neffe – großartiges Buch.”

Am nächsten Tag hatte ich es gekauft. Am übernächsten Tag ausgelesen. Es ist ein großartiger Liebesroman – also für Bernhards Verhältnisse. Die Szenen wie er mit ‘Wittgensteins Neffe’ im Kaffee sitzt und die Wiener hasst. Einfach schön.

Nun ja. Bei Bernhard kommt mer irgendwann um “Das Kalkwerk” nicht drum herum.

Ich hab es angefangen. Liegen gelassen. Angefangen. Liegen gelassen. Weiter gelesen. Wieder von neu angefangen. Aber immer lag es in der Nähe lesebereit da – nie wars ganz im Regal verschwunden. Seid 4 Jahren.

Heute Morgen habe ich es fertig gelesen.

Das Buch ist anstrengend und nervenrauben gehetzt geschrieben. Teilweise ist es ein richtiger Kampf weiter zu lesen. Manche Seiten fliegen nur so dahin.

Lieblingsstelle aus dem Buch:

“Die Wörter ruinieren, was man denkt, das Papier macht lächerlich, was man denkt, und während man noch froh ist, etwas Ruiniertes und etwas Lächerliches auf Papier bringen zu können, verliert dieses Gedächtnis auch noch dieses Ruinierte und dieses Lächerliche.

Es handelt von dem Ehepaar Konrad was in ein Kalkwerk gezogen ist. Er hat sie erschossen und im Buch wird die Entwicklung bis dorthin beschrieben. Seine Studie über das Gehör, die er nie niederschreibt. Ihr und sein Unvermögen. Bei ihr körperlich, bei ihm geistig. Die Gegenseitigen Qäulereien und Schikanen. Und am Ende. Das große Resumee. Die große Erkenntnis kommt nicht. Nicht mal der genaue Tathergang. Lediglich die Feststellung “kurz vor dem Unglück [Frau Konrads Mord] .. sei er sich der Tatsache bewusst, dass es überhaupt keinen idealen, geschweige denn den idealsten Moment oder Augenblick oder Zeitpunkt überhaupt geben könne. Wie Tausende vor ihm, sei auch er dem Wahnsinn zum Opfer gefallen, eines Tages in einem einzigen Augenblick, in dem sogenannten optimalen Zeitpunkt dafür die Studie durch folgerichtige konzentrierte Niederschrift verwirklichen zu können.”

Am Ende schreibt Konrad seine Studie über das Gehör nie auf. Obwohl er alles in seinem Leben darauf ausgerichtet hat, sie endlich ungestört auf zu schreiben.

Es ist also ein Buch über Scheitern. Und zwar komplettes. Sowas mag ich.

“Das sogenannte ideale Zusammenleben sei eine Lüge, da es das sogenannte ideale Zusammenleben nicht gibt, habe auch niemand ein Recht auf ein solches, in eine Ehe gehen heiße wie in eine Freundschaft gehen, den Zustand doppelte Verzweiflung und doppelte Verbannung ganz bewusst auf sich zu nehmen, aus der Vorhölle des Alleinseins in die Hölle des Zusammenseins gehen.”

Wer also auf ein bisschen Selbstqual beim Lesen steht – lesen. Wenn nicht, dann lest es lieber nicht.

 

 

Nachtrag:

Was auch in diesem Buch wieder auffällt ist Bernhards sehr ambivalentes Verhältnis zu Behinderung beziehungsweise behindert sein. Es ist fast eins seiner Hauptthemen. Ich schreibe auch schon seid Jahren an einem Text drüber, aber hab ihn nie fertig gestellt…

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Aber guck mal – die da sind viel schlimmer….

…. wie sich “unverkrampfte Patrioten” endlich wieder besser fühlen können – es gibt ja schlimmere.

Die Welle von rassistischer Gewalt grade.

Ich werde gar nichts mehr zu der eigentlichen Debatte sagen. Andere haben es schon getan. Es ist gut, dass viele sich dagegen aussprechen.

Aber. Es gibt da Aspekte, die mich in der Kommentierung der Debatte einfach stören.

Da gab es zum Beispiel ein Video von der “sympatischen” Pegida Alina. Unverkennbare Stimme. Sie schreit. Angela Merkel is zu Besuch. “Hure..” is wohl eins der einprägsamsten Kommentare von ihr. Extremer sächsischer Dialekt (ich mag den ja eigentlich total). Alles was sie sagt ist nicht wirklich klug.

Die Kommentare drunter machen sich drüber lustig. 3 Beispiele.

  1. “Selbst analphabetische Bauern aus Zentralafrika wären für dieses Heidenau eine echt kulturelle Bereicherung. Denn so abartig würden die sich bestimmt nicht aufführen.”

2. “sowas dummes, die brauch doch ne Zwangsjacke”

3. “Dumm, Primitiv, Denkfaul, Peinlich, jetzt weiß ich warum diese Begriffe existieren.    Und diese Idioten wollen unsere Kultur verteidigen? Dieses Gesindel ohne Werte,  Achtung und Verstand?”

Jo. Klar – die die Flüchtlingsheime angreifen sind scheiße. Aber: Die die Kommentare in dem Stil machen ham den Schuss nich gehört. Warum kann der Rassismus, die NSU, die Nazis, all diese Menschen, die ihren Menschenverachtenden Überzeugungen Taten – sehr direkte und grausame Taten – folgen lassen, überhaupt überleben? Die kommen nicht aus ner dunklen Ecke oder Höhle gekrochen. Das sind keine “Aliens” die versuchen Deutschland zu übernehmen. Sie wachsen in dieser Gesellschaft auf. In jedem Ort. Die Meinungen die sie vertreten kommen nicht von irgendwoher: sie kommen aus ihrer Umgebung.

Das erste Beispiel ist halt einfach selbst Rassismus. Aber der Mensch scheint sich für was besseres und “weniger Rassist” “weniger schlimm” zu halten. Schliesslich sacht er ja, dass ein Mensch der nicht aus Deutschland kommt mehr kulturelle Bereicherung für Deutschland sein könnte als jemand aus Deutschland. Aber: Er geht halt mal davon aus, das es ein eher absurder Gedanke ist, dass jemand “analaphabetisches aus Zentralafrika” überhaupt ne kulturelle Bereicherung sein könnte. Und was is das eigentlich was die immer alle mit ihrer Kultur haben? Aber dazu gleich noch was.

Das zweite Beispiel is son Standart: Dumm. Verrückt. Sorry: ich hab in 2 Psychiatrien gearbeitet, aber mit verrückt hat das nichts zu tun. Mit dumm meistens leider auch nicht. Die Menschen die sowas vertreten – wie die werte Pegida Alina – machen sich meist ziemlich viele Gedanken über das was zB politisch passiert. Nur kommen sie dabei zu Schlüssen die Menschenverachtend sind. Dagegen muss aber politisch gearbeitet werden . sie als dumm zu deklarieren hilft nicht, und sie als “krank” zu bezeichnen auch nicht. Das ist verharmlosend und verkennt das Problem. Ausserdem: Stellt euch vor ihr wäret wirklich krank – wollt ihr mit solchen Menschen in einen Topf geschmissen werden?

Zum dritten Beispiel “Die wollen UNSERE Kultur verteidigen” …. well. unsere Kultur. uns? Wer ist dieses uns? Welche Kultur? (und jetzt kommt mir nicht mit Reinheitsgebot, das is ein Werbegag den einfach alle glauben) Oder was is damit gemeint? und verteidigen? Vor den bösen “Islamisten” die uns alle Würstchen essen und Bier trinken verbieten wollen? Für mich klingt das so, als ob der Mensch die Idee von “Kultur verteidigen” gar nicht so doof findet – nur hätte er da gerne Helene Fischer in der ersten Reihe stehn statt der lieben Alina. Tja – dumm gelaufen. Aber weißte was? dieses “Kultur verteidigen” wäre auch scheiße und rassistisch mit Helene Fischer in der 1. Reihe.

Also. Is ja schön, dass grade alle so einheitlich “Nazis doof” finden. Endlich wieder doofe Rechte haben, neben denen mer sich gar net mer so rassistisch fühlen muss. Schliesslich sind die alle viel schlimmer. Das Problem is, wenn mer dabei selbst rassistisch und ausgrenzend is, macht mers nich besser, sondern tritt den Beweis dafür an, wie sowas entstehen kann und das es immer wieder passieren wird.

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#1 Gelesen: „Geheimsache Gerstensaft“

Ein Gastbeitrag von meinem geliebten Mitbewohner Steffen.

Es handelt von Gerstensaft und er hat mir grade das Comic gegeben – kann ich euch ja nicht vorenthalten.

 

Donjon Monster  „Geheimsache Gerstensaft“

Reprodukt 2008

Heute ist mir beim Sortieren der Band aus der Donjon Reihe aufgefallen. Die Geschichte ist von Trondheim und Sfar, gezeichnet ist er von Yoann. Es ist einer der Comics die ich schon immer mal lesen wollte, bisher aber noch keine Zeit fand.
Nubbel der Hauptdarsteller bekommt seinen ersten Auftrag. Er soll in einer Stadt Bier holen und erlebt dabei absurde und sehr spaßige Abenteuer. Er trifft, nachdem er selbstverschuldet mit seinem Vogel abgestürzt ist, auf Tanfo den dunklen Ritter. Dieser unterstützt ihn mehr schlecht als recht, gegen die Zombie Hasen in der Stadt. Des Ritters Sprache ist gar wohlgeformt und machte großen Spaß zu lesen. In der Stadt kommt der dritte im Bunde dazu, ein kleiner unverwüstlicher roter Hase (den in der Stadt keiner mag, weil er so klein und rot ist). Sie besorgen gemeinsam das Bier und machen sich auf die Rückreise. Sie werden überfallen und gelangen in Gefangenschaft, landen letztlich in einer Kampfarena (eigentlich als Putzkräfte). Dort kommt die große Stunde für Nubbel, mit dem Besen kennt er sich am besten aus, er bekommt nun sein Bier und kehrt nach Hause zurück. Das Schicksal von Tanfo und dem kleinen roten Hasen bleibt unbekannt.
Eine wunderbare Geschichte voll absurder Wendungen, sehr lustig, hat mich oft zum schmunzeln gebracht, schöner feiner Humor. Die Donjon Reihe ist ziemlich umfangreich und man kann sich glücklich schätzen, den Rest noch vor sich zu haben.

Donjon

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Feminisums und Schwesternliebe.

Ich war bei meiner Schwester zu Besuch. Gibt eigentlich nix besseres. Ganz viel kuscheln, Bier trinken, tratschen, lecker Essen. Meine Schwester is einfach toll. So in allem. Wir sind uns ausserdem teilweise extrem ähnlich und extrem unterschiedlich. Bekommen wir irgendwie beides hin.

Große Klappe ham wa beide. Und: Wir arbeiten beide in technischen Bereichen. Sie als Bauingeneurin und ich als Industriemechanikerin.

Ähnliche Bereiche, sehr unterschiedliches Arbeitsumfeld. Aber gewisse Erfahrungen teilt mer einfach irgendwann, wenn man als „weibliches“ Wesen durch so nen Technikbereich tapert.

Wie immer kams halt auf kurz oder lang auch mal wieder auf das Thema Feminismus.

Meine Schwester mag das Wort nicht. Bezeichnet sich nicht als Feministin. Hat das Gefühl, dass der Grad zur Opferrolle sehr dünn ist – und Opfer möchte sie nicht sein.

Ich bin Feministin. Bezeichne mich so. Finde es wichtig. Grade weil ich kein „Opfer“ sein will (doofer Begriff in dem Kontext). Ich will Dinge benennen, wenn sie scheiße laufen. Will versuchen was zu verändern. Vielleicht hats die nächste Industriemechanikerin in meinem Betrieb dann ja leichter.

Standartsatz meiner Schwester in der Debatte war auch „Da sind wir ja einer Meinung“. Ich glaube eigentlich unterscheidet uns fast gar nichts. Die größte Differenz ist wohl tatsächlich der Feminismus Begriff.

Meine Schwester erlebt die feministische Szene als Graben auffreissend, wo keine Gräben sein müssten. Hat das Gefühl, das Entschuldigungen für jeden scheiß gesucht werden mit der Begründung „ich bin ne Frau, ich werde unterdrückt, ich bin ein Opfer“ (was nicht heißt, dass sie nicht selbst auch weiß, dass es Diskriminierung gibt, sie kennt und es wichtig findet sie zu benennen)

Für mich ist Feminismus etwas, was mich ungemein geprägt und gestärkt hat. Ich habe durch die Beschäftigung mit Feminsmus gelernt mir nicht mehr an jedem scheiß die Schuld zu geben (Der Typ_ hat mich angefasst, ohne, dass ich es wollte – oh war garantiert meine Schuld. Der Typ_ kann da garantiert nix für). Ich hab gelernt, auf gewisse Dinge zu achten – wenn in einer Debatte mal wieder Typen das gleiche sagen wie das Mädel_, der Typ_ für total klug gehalten und dem Mädel_ nich zugehört wird. Ich finds wichtig sowas zu hinterfragen, weil Hey: vielleicht wird die Welt nen ticken besser.

Wir hatten auf jedenfall ne längere Debatte. Meine Schwester hatte auch teilweise einfach Schwierigkeiten konkret zu benennen, was sie am „Feminismus“ so stört.

Aber ich glaube so im Nachhinein verstehe ich was sie eventuell dran stört: der teilweise extreme Dogmatismus und die Empfindlichkeit mancher Personen. Es gibt bei gewissen Dingen einen extremen Wahrheitsanspruch. “Das is richtig. Das nicht. Deal with it.” Sowas kann seeehr anstrengend nervig und kontraproduktiv sein.

Die Empfindlichkeit.

Ich bin zB auch bei gewissen Argumentationsmustern sehr sehr empfindlich und wenn jemand mir gegenüber so argumentiert steck ich die Person direkt in die „Maskulinisten Ecke“. Ich hab da einfach zu viele negative Erfahrungen gemacht und irgendwann schaltet man halt automatisch in den Abwehrmodus. Das is auch teilweise sehr notwendig. Einfach aus Selbstschutz. Aber das machts für Personen, die da mit mir bisher noch nie diskutiert haben sehr anstrengend, einfach weil niemand rafft, warum ich grade so empfindlich bin. Kann ja (Gott sei Dank) niemand in meinen Kopf gucken.

Als meine Schwester und ich so darüber geredet haben, ist mir aufgefallen, dass das auch 2 Punkte sind, die ich den Pugnatores (ein FSV Frankfurt Fanclub) vorwerfe – aber ich machs beim Thema Feminismus genauso.

Vielleicht sollte ich mal mehr versuchen sie zu verstehn – auf der anderen Seite hab ich für mich jetzt auch mal ausformuliert, was mich da teilweise am Habitus so stört. Vielleicht kann ichs dem einen Menschen das nächste mal dann deutlicher darstellen.

Nun ja. Zum Feminismus: Ich glaube tatsächlich, dass das ein ziemliches Problem in der Wahrnehmung der Bewegung ist (die es ja so nicht einheitlich gibt), aber das es meist nicht auffällt (oder stört), weil mer aus seiner Filterblase eigentlich gar nicht mehr raus kommt. Aber vielleicht sollt mers ab und zu mal wieder machen. Diskussionen führen auf die mer eigentlich keinen Bock hat. Einfach um die eigenen Verhaltensmuster auch mal wieder zu reflektieren und gespiegelt zu bekommen….

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