„Oh, sehr glanzfeine Optik…“

vom Reden über Bier.

Ich mag ja Bier. Achtung Hype Wort: Craft-Bier. Wie schon ein paar mal erklärt. Grob heißt das so viel wie „handwerklich hergestellt“. Was ich daran mag: Das Bierbrauer_innen endlich wieder anfangen zu experimentieren. Das ich Abends weg gehen kann und mir nicht das ewig gleiche geschmackstote Becks vorgesetzt wird, sondern ich tatsächlich ab und an Auswahl von leckeren Biersorten habe. Welche, die nicht nur aus der Flasche und auf 6°C runtergekühlt schmecken, weil mer dann nichts mehr vom Geschmack mitbekommt.

Und wenn ihr Biertrinker_innen seid, die sagen die meisten Biere dieser „Carft-Bier-Szene“ schmecken ja gar nicht nach Bier: doch. Viel eher als die Plörre die mer beim Fußball trinkt. Industrielle Bierherstellung gibt’s nämlich erst seid ca 1950 – dh vorher hat Bier einfach komplett anders geschmeckt. Bis Mitte des 19Jh war zB jedes Bier eigentlich ein Rauchbier, weil das Malz mit Holz geröstet wurde. Das hat sich erst durch die Verwendung von Koks verändert. (Ja, die Darstellung ist verkürzt – wäre ein eigener Artikel)

Wenn jetzt hoffentlich ein kleiner Teil der Vorurteile weg ist, können wir uns mit dem Beschäftigen, worums hier im Text gehen soll. Die Sprache.

Die Sprache um Bier zu beschreiben.

Ich kannte das früher nur von Weinverkostungen und hab mich dann immer mit meinem Lieblings-Helge-Schneider Zitat drüber lustig gemacht: „Oh ja, der Wein mundet gar Rhombenförmig:“

Sprache um Genussmittel zu beschreiben klingt meistens unglaublich abgehoben und Etepetete. Beim Wein hat das meines Erachtens tatsächlich bei vielen Menschen auch damit zu tun, sich ab zu heben. Wein für die Menschen mit Stil, Bier für den Pöbel. Aber – wie immer gilt – nicht alle sind so. Meine Stiefmutter ist Weinhändlerin. Mit Leib und Seele. Da wird verkostet nach – schmeckt/schmeckt net. Natürlich ist sie geschulter was Geschmäcker betrifft, aber bei uns auf den Verkostungen wurde nicht „abgehoben geredet“. Was einen Grund hatte: Meine Stiefmutter, war neben ihrer Kollegin die einzige mit Ahnung. Wenn mein Vater, ich, die beste Freundin dabei saßen – wir haben den Geschmack halt beschrieben wie uns der Schnabel gewachsen war. Aber manchmal wäre es wirklich praktisch gewesen gleiche Begriffe zu haben, für etwas was mer beschreiben will.

Kommen wir zu meiner Hauptaussage: wenn du von etwas Ahnung hast brauchst du Begriffe um es zu beschreiben. Vergleichend zu beschreiben. So zu beschreiben, dass Leute mit Ahnung auch wissen was gemeint ist. Und so hat jede Sparte die eigene Sprache.

Wenn ich meinem Kollegen sage, dass er mir mal das Endmaß oder die Schieblehr geben soll, weiß er Bescheid. Handwerklich interessierte Menschen auch noch. Menschen die damit noch nie gearbeitet haben – nicht. Vollkommen in Ordnung: müssen se ja auch nicht.

Und so ist das auch mit Biersommelier und Menschen, die sich damit auseinandersetzen. „Das eignet sich auch eher als Degustationsbier.“ – „Ja, die Optik ist glanzfein.“ Das steht in dem Craft Bier Buch, was ich grade lese. Nicht, weil die Autorin so cool und hip ist. Nein. Sie ist Biersommelier. Und damit Expertin. Expertin die Fachbegriffe benutzt. In einem Buch, was sich niemand kaufen wird, der_die nicht ein Grundinteresse an Craft Bier hat. Und damit kann sie zu einem gewissen Grad eben auch Fachsprache benutzen.

Natürlich ist Sprache auch immer dazu da um zu zeigen, dass mer Seriös ist. Aber das tut jede_r – das ist kein Spezifikum von Menschen die Genussmittel verkosten und beschreiben.

Und ja: es gibt auch immer Deppen, die keine Ahnung haben und trotzdem mit allen möglichen aufgeschnappten Vokabeln rummackern, um mit ihrem coolen und hippen Wortschatz an zu geben.
Aber ganz im Ernst: sollen se machen. Ich lass mir davon mein Bier nich verderben. Und ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass ich mehr Ahnung von Verkostung und der Beschreibungssprache hätte, weil es mir unglaublich schwer fällt Geschmäcker zu beschreiben.

Grade auf der “Spiegelau“ Verkostung (hier der Bericht) hab ich gemerkt, dass mer Schmecken eben auch ein Stück weit lernen kann. Und das ist eigentlich ne ziemlich großartige Sache, weil ich da ne neue Welt von leckeren Dingen aufmacht. Und ich mag leckere Sachen.

Also: Scheuklappen weg. Lecker Bier trinken.

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