Bücher die mer ewig nicht zu Ende liest…

Über “Thomas Bernhard – Das Kalkwerk”

Ich besitze dieses Buch mittlerweile glaube ich seid 4 Jahren. Warum? Ich liebe Bernhard. Ja. Politisch gesehn sollte mer ihn eher kritisch betrachten. Seine Bücher – lieb ich halt irgendwie trotzdem.

Mein erstes Buch von ihm: “Ein Kind” Teil seiner Autobiografie. Ich habs im Unttericht in der 11. Klasse gelesen. Aber erst nach der Klassenarbeit darüber: ich hatte in der Klausur nämlich zum ersten Mal Parts aus dem Buch wirklich gelesen. Das Buch hat mich dann auch nicht mehr recht losgelassen. Eines dieser Bücher die eins irgendwie nicht mehr ausm Kopf bekommt. Immer wieder dran denkt. Drüber nach denkt. Der Schreibstil: getrieben. Ohne Kapitel und Abschnitte. Einfach Text. Unglücklicher, resiginierter, Dinge nicht mögender Text.

Dann kam eines Tages ein Telefonat mit einem Freund. Das Thema kam auf Wittgenstein. Er sagte “Kennst du Bernhard, der hat da ein Buch geschrieben – Wittgensteins Neffe – großartiges Buch.”

Am nächsten Tag hatte ich es gekauft. Am übernächsten Tag ausgelesen. Es ist ein großartiger Liebesroman – also für Bernhards Verhältnisse. Die Szenen wie er mit ‘Wittgensteins Neffe’ im Kaffee sitzt und die Wiener hasst. Einfach schön.

Nun ja. Bei Bernhard kommt mer irgendwann um “Das Kalkwerk” nicht drum herum.

Ich hab es angefangen. Liegen gelassen. Angefangen. Liegen gelassen. Weiter gelesen. Wieder von neu angefangen. Aber immer lag es in der Nähe lesebereit da – nie wars ganz im Regal verschwunden. Seid 4 Jahren.

Heute Morgen habe ich es fertig gelesen.

Das Buch ist anstrengend und nervenrauben gehetzt geschrieben. Teilweise ist es ein richtiger Kampf weiter zu lesen. Manche Seiten fliegen nur so dahin.

Lieblingsstelle aus dem Buch:

“Die Wörter ruinieren, was man denkt, das Papier macht lächerlich, was man denkt, und während man noch froh ist, etwas Ruiniertes und etwas Lächerliches auf Papier bringen zu können, verliert dieses Gedächtnis auch noch dieses Ruinierte und dieses Lächerliche.

Es handelt von dem Ehepaar Konrad was in ein Kalkwerk gezogen ist. Er hat sie erschossen und im Buch wird die Entwicklung bis dorthin beschrieben. Seine Studie über das Gehör, die er nie niederschreibt. Ihr und sein Unvermögen. Bei ihr körperlich, bei ihm geistig. Die Gegenseitigen Qäulereien und Schikanen. Und am Ende. Das große Resumee. Die große Erkenntnis kommt nicht. Nicht mal der genaue Tathergang. Lediglich die Feststellung “kurz vor dem Unglück [Frau Konrads Mord] .. sei er sich der Tatsache bewusst, dass es überhaupt keinen idealen, geschweige denn den idealsten Moment oder Augenblick oder Zeitpunkt überhaupt geben könne. Wie Tausende vor ihm, sei auch er dem Wahnsinn zum Opfer gefallen, eines Tages in einem einzigen Augenblick, in dem sogenannten optimalen Zeitpunkt dafür die Studie durch folgerichtige konzentrierte Niederschrift verwirklichen zu können.”

Am Ende schreibt Konrad seine Studie über das Gehör nie auf. Obwohl er alles in seinem Leben darauf ausgerichtet hat, sie endlich ungestört auf zu schreiben.

Es ist also ein Buch über Scheitern. Und zwar komplettes. Sowas mag ich.

“Das sogenannte ideale Zusammenleben sei eine Lüge, da es das sogenannte ideale Zusammenleben nicht gibt, habe auch niemand ein Recht auf ein solches, in eine Ehe gehen heiße wie in eine Freundschaft gehen, den Zustand doppelte Verzweiflung und doppelte Verbannung ganz bewusst auf sich zu nehmen, aus der Vorhölle des Alleinseins in die Hölle des Zusammenseins gehen.”

Wer also auf ein bisschen Selbstqual beim Lesen steht – lesen. Wenn nicht, dann lest es lieber nicht.

 

 

Nachtrag:

Was auch in diesem Buch wieder auffällt ist Bernhards sehr ambivalentes Verhältnis zu Behinderung beziehungsweise behindert sein. Es ist fast eins seiner Hauptthemen. Ich schreibe auch schon seid Jahren an einem Text drüber, aber hab ihn nie fertig gestellt…

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