Feminisums und Schwesternliebe.

Ich war bei meiner Schwester zu Besuch. Gibt eigentlich nix besseres. Ganz viel kuscheln, Bier trinken, tratschen, lecker Essen. Meine Schwester is einfach toll. So in allem. Wir sind uns ausserdem teilweise extrem ähnlich und extrem unterschiedlich. Bekommen wir irgendwie beides hin.

Große Klappe ham wa beide. Und: Wir arbeiten beide in technischen Bereichen. Sie als Bauingeneurin und ich als Industriemechanikerin.

Ähnliche Bereiche, sehr unterschiedliches Arbeitsumfeld. Aber gewisse Erfahrungen teilt mer einfach irgendwann, wenn man als „weibliches“ Wesen durch so nen Technikbereich tapert.

Wie immer kams halt auf kurz oder lang auch mal wieder auf das Thema Feminismus.

Meine Schwester mag das Wort nicht. Bezeichnet sich nicht als Feministin. Hat das Gefühl, dass der Grad zur Opferrolle sehr dünn ist – und Opfer möchte sie nicht sein.

Ich bin Feministin. Bezeichne mich so. Finde es wichtig. Grade weil ich kein „Opfer“ sein will (doofer Begriff in dem Kontext). Ich will Dinge benennen, wenn sie scheiße laufen. Will versuchen was zu verändern. Vielleicht hats die nächste Industriemechanikerin in meinem Betrieb dann ja leichter.

Standartsatz meiner Schwester in der Debatte war auch „Da sind wir ja einer Meinung“. Ich glaube eigentlich unterscheidet uns fast gar nichts. Die größte Differenz ist wohl tatsächlich der Feminismus Begriff.

Meine Schwester erlebt die feministische Szene als Graben auffreissend, wo keine Gräben sein müssten. Hat das Gefühl, das Entschuldigungen für jeden scheiß gesucht werden mit der Begründung „ich bin ne Frau, ich werde unterdrückt, ich bin ein Opfer“ (was nicht heißt, dass sie nicht selbst auch weiß, dass es Diskriminierung gibt, sie kennt und es wichtig findet sie zu benennen)

Für mich ist Feminismus etwas, was mich ungemein geprägt und gestärkt hat. Ich habe durch die Beschäftigung mit Feminsmus gelernt mir nicht mehr an jedem scheiß die Schuld zu geben (Der Typ_ hat mich angefasst, ohne, dass ich es wollte – oh war garantiert meine Schuld. Der Typ_ kann da garantiert nix für). Ich hab gelernt, auf gewisse Dinge zu achten – wenn in einer Debatte mal wieder Typen das gleiche sagen wie das Mädel_, der Typ_ für total klug gehalten und dem Mädel_ nich zugehört wird. Ich finds wichtig sowas zu hinterfragen, weil Hey: vielleicht wird die Welt nen ticken besser.

Wir hatten auf jedenfall ne längere Debatte. Meine Schwester hatte auch teilweise einfach Schwierigkeiten konkret zu benennen, was sie am „Feminismus“ so stört.

Aber ich glaube so im Nachhinein verstehe ich was sie eventuell dran stört: der teilweise extreme Dogmatismus und die Empfindlichkeit mancher Personen. Es gibt bei gewissen Dingen einen extremen Wahrheitsanspruch. “Das is richtig. Das nicht. Deal with it.” Sowas kann seeehr anstrengend nervig und kontraproduktiv sein.

Die Empfindlichkeit.

Ich bin zB auch bei gewissen Argumentationsmustern sehr sehr empfindlich und wenn jemand mir gegenüber so argumentiert steck ich die Person direkt in die „Maskulinisten Ecke“. Ich hab da einfach zu viele negative Erfahrungen gemacht und irgendwann schaltet man halt automatisch in den Abwehrmodus. Das is auch teilweise sehr notwendig. Einfach aus Selbstschutz. Aber das machts für Personen, die da mit mir bisher noch nie diskutiert haben sehr anstrengend, einfach weil niemand rafft, warum ich grade so empfindlich bin. Kann ja (Gott sei Dank) niemand in meinen Kopf gucken.

Als meine Schwester und ich so darüber geredet haben, ist mir aufgefallen, dass das auch 2 Punkte sind, die ich den Pugnatores (ein FSV Frankfurt Fanclub) vorwerfe – aber ich machs beim Thema Feminismus genauso.

Vielleicht sollte ich mal mehr versuchen sie zu verstehn – auf der anderen Seite hab ich für mich jetzt auch mal ausformuliert, was mich da teilweise am Habitus so stört. Vielleicht kann ichs dem einen Menschen das nächste mal dann deutlicher darstellen.

Nun ja. Zum Feminismus: Ich glaube tatsächlich, dass das ein ziemliches Problem in der Wahrnehmung der Bewegung ist (die es ja so nicht einheitlich gibt), aber das es meist nicht auffällt (oder stört), weil mer aus seiner Filterblase eigentlich gar nicht mehr raus kommt. Aber vielleicht sollt mers ab und zu mal wieder machen. Diskussionen führen auf die mer eigentlich keinen Bock hat. Einfach um die eigenen Verhaltensmuster auch mal wieder zu reflektieren und gespiegelt zu bekommen….

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