Wendeschneidplatten…

… oder auch: die kleinen Dinge, die mich immer wieder an meinem Job faszinieren.

Die @kathakatze hat Wendeschneidplatten gifs gepostet. Ich bin verliebt. Bekomm ich in der Präzision bei der Arbeit nich zu sehn – ich arbeite zwar jeden Tag mit sowas, aber da is ne große Maschine aussenrum und meist auch Kühlschmiermittel.

Aber es ist unglaublich großartig sowas in slowmo zu sehn. Es fasziniert mich immer wieder. Metall wird einfach so zerspant. Mal ebenso ein paar Millimeter von zähestem fiesesten härtesten Stahl. Und am Ende kommt was wunderschön glänzendes und glattes heraus, was unglaublich praktisch ist zB ein Hebel für eine Espressomaschine oder Nokenwellen fürs Auto.

Der @gendalus hat mich bei Twitter dann gefragt ‘Was ist denn das goldene?” … Eben das sind die Wendeschneidplatten.

Eigentlich simpel vom Prinzip her aber eine sehr praktische Erfindung.

Aber fangen wir mal von vorne an.

Die üblichsten und wohl auch bekannstesten Zerspanungsarten sind wohl Drehen, Fräsen und Bohren.

Was ist das? 

Zerspanung bedeutet zunächst einmal, dass es ein Subtraktives Vearbeitungsverfahren ist. Ein Material hat eine Rohform und von dieser wird durch Keile in jedweder Form etwas abgetragen, bis am Ende die gewünschte Form heraus kommt.

Schruppen und Schlichten sind Unterteilungen bei Zerspanungsarbeiten. Schruppen ist das grobe Vorarbeiten. Schlichten die feine Nachbearbeitung. (Wer schon mal mit einer Feile gearbeitet hat: Es gibt die groben und die feinen und sie werden idR als Schrupp- und Schlichtfeile bezeichnet)

Bohren. Man nehme ein rundes, langes Werkzeug (Bohrer) befestige es in einer Halterung (Bohrfutter), starte den Antrieb der Bohrmaschine, sodass der Bohrer sich dreht und drücke das Werkzeug auf das Material. Eine Bohrung (Durchgangs- oder Sacklochbohrung) entseht. Die Späne werden über Nuten (die seitlichen Rillen) abgeführt. Deswegen nennt man Bohren auch  ein “spanhebendes” Verfahren.

Fräsen. Fräsen ist wieder ein Verfahren mit angetriebenem Werkzeug – aber: Ich bin nicht so eingeschränkt wie beim Bohren. Weder in Form des Werkzeugs, noch in der Bewegung. Es gibt zwar auch Bohrmaschienen, die sich in verschiedene Achsen bewegen lassen, aber am Ende bleibt es bei der Bohrung – mehr kann mit einem Bohrer nicht gemacht werden. Fräsen hingegen bedeutet, dass es eine Bewegungsmöglichkeit innerhalb eines Dreidimensionalen Raumes gibt. Dardurch kann mit Fräsen fast jegliche erdenkliche Form hergestellt werden. Habe ich zB wie in dem Gif auf dem 2. Bild einen Schaftfräser könnte ich damit einen Schriftzug in das Metallstück hineinfräsen.

Fräserformen gibt es sehr viele. Schaftfräser (dem Bohrer sehr ähnlich), Scheibenfräser Wie ein Pfannekuchen mit Schneiden am Rand oder auch T-Nuten Fräser, mit denen man eine Form ähnlich dem Tetris-T in Material reinfräsen kann.

Es gibt aber zB auch Messerköpfe – da kommen wir zu den Wendeschneidplatten. Weil Fräser herstellen ist teuer. Grade wenn sie hartes Material zerspanen müssen, müssen sie ja noch härter sein. Hohe Genauigkeiten halten. Geschliffen werden usw. Wenn bei einem Schaftfräser aus einem Stück was abbricht kann man ihn eventuell noch nachschleifen – aber nicht immer. Das heißt im Zweifel – wegschmeissen. Für den Schrott gibts noch Geld – aber das ganze Werkzeug ist weg. Das kostet. Bei Wendeschneidpalatten ist das was anderes. Es gibt die Köpfe und in diese können sie eingesetzt werden. Ist eine Abgenutzt kann in der Regel auch noch die andere Seite verwendet werden und nicht das ganze Werkzeug ist kaputt.

Wendeschneidplatten sind also mehrfachverwendbare und auswechselbare schneiden für zerspanendes Werkzeug.

Drehen. Zu guter letzt zum Drehen. Was der Unterschied zum Rest ist? Das Werkzeug wird nicht angetrieben, sondern das Werkstück. So ein bisschen, wie wenn ihr einen Tonklumpen auf eine Drehscheibe gebt und ihn dann formt. Nur, dass ich in diesem Fall einen Stahlzylinder gebe, ihn einspanne, anfange zu drehen (zB 1000 Umdrehungen pro Minute) und dann mit meinem Drehmeissel (die mittlerweile fast ausschließlich mit Wendeschneidplatten arbeiten)  an das Material gehe. Im .gif ist Bild 4. eine Drehbearbeitung. Wer mehr mit Holzbearbeitung zu tun hat: Drechseln ist nichts anderes als Drehen.

Dann gibt es natürlich kombinierte Maschinen, die alles können. Ich arbeite zB an einer Dreh-Fräs Maschine.

Wendeschneidplatten habe ich also gefühlte 50Mal am Tag in der Hand.

Das schöne an der heutigen Zeit: Ich habe noch viele von den alten Techniken und Berabeitungsverfahren in meiner Ausbildung kennen gelernt, aber hab trotzdem den modernen Hightech kram um mich herum. Ich musste auch mal einen Drehmeissel nachschleifen. Früher waren die nämlich noch aus nem Hartmetallklotz, der dann auf die Form gebracht werden musste, die man drehen will. Heut zu Tage wird eigentlich einfach nur die Wendeschneidplatte gewechselt. Ich mag den Fortschritt. Ich finds gut, dass das heute relativ einfach ist – aber würde ich das alte nicht kennen wäre mir glaube ich nicht so bewusst wie toll simple und kleine Veränderungen sein können und das es nicht schadet sich neues an zu schauen und aus zu testen.

Wendeschneidplatten sind also eine ziemlich großartige Erfindung.

Und wenn ihr das nächste mal son .gif seht – wisster Bescheid.

 

 

 

 

 

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