Mein erster Girls Day….

…von Kopftüchern, Gewindephilosophie und Erinnerung an den Ausbildungsbeginn.

Mein erster Girls Day.

In dem Betrieb, in dem ich arbeite, wird der seit ca. 7 Jahren organisiert.
Hatte schon mal zum Girls Day geschrieben, unter anderem weil ich sauer war, dass ich als einzige Mechanikerin nicht mitmachen durfte. Nun. Diesesmal wars anders. (yay)

Ich hab mich ziemlich drauf gefreut. Ich bin zwar gerne gerne Industriemechanikerin, und wollte auch wirklich nicht mehr als Sozialassistentin arbeiten, aber so ein bisschen mit Menchen arbeiten macht dann doch Spaß.
Da saßen dann ziemlich verschüchtert neun Mädels vor meinen Mitazubis und mir. Nach dem Vortrag über unsere Firma (der total megaspannend und mitreissend is) kam der erste Dämpfer. Zwei mit Kopftuch. Unsere Personalerin – feinfühlig wie sie ist – dann direkt: “Zieht ihr das aus? Wenn nicht dürft ihr nicht bohren – Franzi, du klärst das.” Wow. Cool. Respekt.
Einatmen. Ausatmen. Nicht ausrasten. Hoffen, dass das gradegebogen werden kann.
Ich muss gestehn: Ich war selbst unvorbereitet. Ich habe vorher nicht dran gedacht mich über Sicherheitsvorschriften mit Kopftuch zu informieren. Und das in Offenbach. Doof.
Aber: Menschen direkt so vor allen anderen vor den Kopf zu stoßen – scheiße. Das hätte auch in nem 4 Augengespräch und weniger konfrontativ angesprochen werden können.
Leider habe ich es bei der ersten (die Mädels wurden in zwei Gruppen aufgeteilt) glaube nicht ideal lösen können. Sie hatte von Anfang an gesagt, dass sie es auszieht. Hat sie dann auch, aber es war sehr deutlich, dass sie sich mehr als unwohl gefühlt hat – und ich dachte, ich bekomm das hin, aber ich habs nicht hinbekommen, das zu lösen. Was um so blöder war, weil sie die einzige Person war, die schon ein enormes Vorwissen hatte und von Anfang an gesagt hat, dass sie sehr viel Spaß an Technik hat und unbedingt was in die Richtung machen will. Well… ich hoffe sie findet ihren Weg und trifft Menschen die souveräner sind in dieser Frage als meine Firma und ich.

Bei der zweiten wars dann gut. Ich habe mit dem Sicherheitsbeauftragten geredet, habe geklärt wie das Kopftuch zu befestigen ist, sie durfte mit Kopftuch (festgesteckt und befestigt) selbst bohren. Läuft. Das nächste Mal dann gleich.
Was ich auch unterschätzt und einfach vergessen habe: Wie wenig Menschen zwischen 11 und 14 Jahren wissen. Was ist ein Koordinatensystem? Wie wird eine Feile gehalten? Was ist ein Gewinde? Und vorallem: wie erklärt mer das so, dass es verstanden wird und nicht nur nickende Mädels vor einer stehen, die eigentlich trotzdem nichts verstehn. Was dann eins der positivsten Erlebnisse war: ein Mädchen hat sich wirklich getraut zu sagen, dass sie es nicht verstanden hat. Ein Zeichen für mich, dass sie keine Angst vor mir hat und dass es sie zumindest ein bisschen interessiert.
Es ist übrigens wirklich spannend, wie in den Augen einer 11 jährigen ein Gewinde zu Philosophie werden kann.
Alles in Allem hatte ich das Gefühl, dass die Mädels sich nicht nur gelangweilt haben. Sie durften etwas selbst machen (Feilen, Anreissen, Körnen, Zentrieren, Bohren, Gewinde schneiden) bei den Elektronikern etwas löten und hatten am Ende etwas Selbstgebasteltes zum mitnehmen.
Was ich das nächste mal defintiv anders machen würde:

– Mir möglichst bildliche und einfache Erklärungen für die einzelnen Sachen vorher aufschreiben (Punkt-Berechnung auf ner technischen Zeichnung habe ich einmal mit ner Landkarte und nem Kompass erklärt, ich glaube das wurde verstanden – beim 2. Durchlauf isses mir aber hinten runtergefallen)
– Sicherheitsvorschriften vorher klären – auch mit den Verantwortlichen.
– Schauen, dass die Maschinen frei und besser aufgeteilt sind, damit nicht immer so lange gewartet werden muss
– Für jeden Schritt ein Probeteil fertig hergestellt haben, damit besser demonstriert werden kann, was jetzt eigentlich gewollt ist
– Mich vorher erkundigen wie alt die Mädels sind – die Gruppe mit den zwei 11jährigen hatte einefach ganz andere Ansprüche als die 14jährigen. Wenn sowas voher vorbereitet ist, läuft das glaube ich besser.

Mir hats im Endeffekt aber sehr viel Spaß gemacht und am Ende haben 3 gesagt, dass sie Interesse an einem technischen Beruf haben: eine eher Richtung Elektronik, eine eher Mechanik und eine fand beides sehr spannend.
Alles in Allem glaube ich, dass der Girls Day ne ziemlich gute Sache sein kann, einfach weil Berührungsängste genommen werden können. Ich hatte sowas nich und ich hab mit 22 Jahren zum ersten Mal anner Standbohrmaschine gestanden – hätte mir nich geschadet sowas früher mal zu sehn. Selbst wenn am Ende kein technischer Beruf gelernt wird isses ein Einblick ins alltägliche Leben der Verständis dafür schafft, wie andere Menschen arbeiten und wie Dinge hergestellt werden.
Ich hab an dem Tag unglaublich viel gelernt, grade bei Basissachen, die ich nie hinterfragt oder längst vergesssen habe nach 3 Jahren Ausbildung. Fast wie im 1. Ausbildungsjahr…

Ich freu mich auf den nächsten.

 

 

 

Danke an Jenny für die Rechtschreibkorrektur ❤

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