Sprechen Sie mit meinem Mittelfinger…

…denn das is die einzige Reaktion die mir bei so nem Scheiß einfällt.

Eine etwas polemische Antwort auf ne nette Kampagne der Stadt Frankfurt am Main.

 

Wie schön – die Stadt Frankfurt sorgt sich um Mütter und Kinder. Kinder bekommen nicht genug Kommunikation von ihren Müttern müsst ihr wissen. Wegen den bösen Handys.

Zumindest sagt das diese Plakatkampagne: “Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind

Also natürlich ist die Plakatkampagne an “Eltern” gerichtet. Das Plakat mit nem Mann oder 2 Personen drauf, habe ich aber noch nicht gesehn. Nur das mit ner Frau drauf. (Wenn ihr so eins seht – her damit: lass mich ja gerne bilden)

Aber ok – Kleinigkeit, kann ja mal passieren. Mit Mutter meint man natürlich immer auch den Vater mit. (Ich glaube mal nich, dass in Köpfen von Menschen, die sowas entwerfen, auch nicht heteromonogame Beziehungen existieren, deswegen die Formulierung)

Viel wichtiger: die Kinder – die können sich ja nicht wehren. Da muss man was tun. Und wie? Am besten mit nem erhobenen Zeigefinger und einem klaren Feindbild: die böse, böse Handymutter.

Die Überschrift in einem Zeitungsartikel weist zwar darauf hin, dass es wohl keine Studien dazu gibt, aber Hauptsache mal ne Kampange dazu gemacht. Weil Menschen das Gefühl haben, dass das so is. Schön. Ok. Akzeptieren wir das mal.

Warum ichs dann trotzdem problematisch finde, auch wenn eventuell Sozialarbeiter_innen und Hebammen und andere diese Beobachtung für wichtig halten?

Es ist eine öffentliche Diskreditierung von Müttern, die auf ihr Handy schaun.

Würdest du dich neben dem Plakat noch trauen auf dein Handy zu schaun, während du dein Kind dabei hast? Oder in der Bahn? Du schaust auf dein Handy, wirst von jemandem von der Seite schräg angeschaut, du fühlst dich schlecht, weil du denkst, dass sie_er dich vielleicht dafür verurteilt, dass du grade auf dein Handy geschaut hast?

Menschen die Kinder dabei haben sind in der Öffentlichkeit immer einer besonderen Beobachtung ausgesetzt. Oft genug haben Freund_innen mit Kindern erzählt wie scheiße es ihnen geht, weil zB das Kind in der Öffentlichkeit geschrien hat und nicht aufhörte und sie teilweise von anderen Menschen deswegen schräg angemacht wurden.

Weil wenns um Kinder geht, ist deine Privatssphäre und die Barriere sich nicht ein zu mischen, plötzlich nicht mehr da. Dein Kind schreit die ganze Zeit? Du reagierst vielleicht mal nicht 100% gesellschaftskonform, am End auch noch genervt? Dann bist du ein_e schlechte_r Mutter_Vater. Wie kann es anders sein?

Mütter (und andere Erziehende) haben nämlich relativ wenig Recht auf eigene Entscheidungen. Du musst dem Idealbild entsprechen oder wirst halt ansonsten gerne mal doof in der Öffentlichkeit angemacht. Kindeswohl ist schließlich Allgemeinwohl. Wenn du grade mal 5 Minuten nich auf dein Kind reagierst, weils Bockmist gebaut hat, und du auf dein Handy schaust? Rabenmutter. Wenn du ne Zigarette in der Hand hast? Rabenmutter. Wenn dein Kind in der Öffentlichkeit schreit? Rabenmutter.

Wie schnell da auch Menschen die selbst Eltern sind, vergessen, dass sie auch mal in der gleichen Situation waren.

Deswegen – macht mich die Kampagne der Stadt Frankfurt einfach nur sauer. Sie unterstützt nämlich genau dieses Bild: Kindererziehung ist eine Sache in die sich von der Öffentlichkeit eingemischt werden darf. (Und mit Öffentlichkeit meine ich jetzt mal keine Jugendämter)

Gute Artikel zu dem Thema gabs übrigens mal bei der HuffPo und DasNuf (sie hat auch nochwas dazu geschrieben, ich finde den Text, aber leider nicht mehr -.-)

Also liebe Stadt Frankfurt – liebes Soziadezernat. Is ja schön, dass ihr was machen wollt, aber dann doch bitte nicht so. Ausserdem hat das garantiert ganz viel Geld gekostet. Der Entwurf, das Plakatieren, die Pressearbeit. Habt ihr nich demletzt den Taxifahrdienst für Menschen mit Behinderung zusammengestrichen wegen Geldmangel? Hab auch gehört die Sozialämter leiden ziemlich unter Finanzdruck…. da gäbs doch garantiert viele tolle sinnvolle Sachen zu tun, anstatt nen “erhobenen Zeigefinger” zu plakatieren, obwohl ihr das ja gar nich wollt…

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