Die ständige 1. Reihe..

Am 26.12 gabs auf Twitter ne Diskussion wegen dieses Spiegel Artikels. Es steht drin, was Berufsanfänger_innen so machen wollen. Und es steht auch drin, dass 0% der weiblichen befragten in der IT anfangen wollen und ausserdem die wenigsten wissen, was sie eigentlich machen wollen.

Der @benni_b hat da meines erachtens richtig festgestellt, dass es eigentlich schlimmer wird. Wos in den 80gern sogar bis zu 35% Frauenanteil bei der Aufnahme eines Informatik Studiums gab, gings danach stetig rückwärts. Funfact: in vielen anderen Ländern is das nicht so. Vorallem auch in den arabischen Ländern und in der Türkei (blaue Kästen im Text) – am explizieten Talent eines Geschlechts kanns ansich also irgendwie nich liegen (nur um dieses meines Erachtens dämliche Argument mal vorweg zu nehmen)

Ich habe dazu Thesen. Nicht belegt. Einfach meine Eindrücke.

1. Geschlechtsspezifische Sprüche, Hervorhebungen und  Förderungen sind halt kacke – zumindest wenn sie den Klischees nachgehn. Die @pfefferminz_ hat dazu am Tag der Diskussion (26.11) schon ein wenig auf Twitter geschrieben. Wenn ein Mädel Spaß an Mathe, Physik, Info hat – genauso unterstützen und mit ihr umgehen wie mit nem Jungen wenn ers kann. Nicht: “Wow, das du ALS MÄDCHEN jetzte so gut in Mathe bist – das is aber knorke”. Und das gilt nich nur für Schule sondern auch für Berufsschule und Studium. Die Jungs in meiner Sozialassitent_innen Ausbildung waren irgendwann ganz schön genervt von dem permanenten “Wir brauchen mal nen starken Mann” oder dem “das is aber so toll, dass du als Junge das jetzt machen willst”. Genauso wie ich in meiner Klasse regelmäßig höre “Ja, wenn Frauen den Beruf machen, dann müssen sie schon besonders begabt sein, ansonsten können Frauen ja Technik nicht so” – Genau das übt überhaupt keinen Druck auf einen aus und man fühlt sich direkt wohl. Nicht.

2. Wenn man dann im Beruf ist und ne permanente Sonderrolle hat. Glaubter das macht Spaß? Und glauben tatsächlich Menschen, dass das ein positiv Beispiel is, wenn man als Mädel permanent mitbekommt, wie die einzige weibliche Kollegin in der Technik von der Firma vor sich hergetragen wird wien heiliger Gral? Das is so das absolute negativ Beispiel. Das is auch der Grund warum fast alle Mädels die ich aus IT oder Technik kenne beim Wort “Diversity Management” Kotzreiz bekommen. Ständig irgendwelche Bilder machen. Sonderbehandlungen, die es einem nicht leichter machen einfach mal in nem Team mit zu arbeiten…. Das is kein Diversity management, dass is ein “Oh, es ist Mode auch mal Frauen ein zu stellen – dann machen wir das doch mal. Präsentieren sie überall, aber ändern sonst nix an dem Umgang der Menschen in der Firma – Sexismus hat ja Tradition”

3. Menschen an Dinge heranführen ohne ihnen Angst davor zu machen. Matheunterricht war gerne mal so “Jetzt fangen wir mit XY an, das handelt von so und so und so. Ja – ich weiß die besonderguten zB der Hans – ihr könnt das schon. Aber lassen wir doch mal den anderen ne Chance, wa?” *zwinkerzwinker* – Und dann is der Fokus im Unterricht trotzdem nur auf Hans und nicht auf den Mitschüler_innen die einfach noch keinen Zugang dazu hatten. Sowas hat mich persöhnlich immer abgeschreckt und mir teilweise auch Angst gemacht, nach dem Motto: “So gut werd ich eh nie, da lass ichs lieber und machen Sachen in denen ich mir nich ganz so gedemütigt vorkomme”

4. praktischer Unterricht. Ich finde er fehlt. Klar gibts das an Haupt- und Realschulen mal, aber an Gymnasien hab ich das bisher so gut wie gar nich erlebt – und wenn dann als Wahlfach. Mal ein Projekt wo man nen Stromkreis selbst baut, wo man mal ins Programmieren rein schnuppert, alle gemeinsam mal kochen oder mit nem Messschieber in die Werkstatt geschickt werden und mal an der Drehbank schaffen müssen. Ausserdem müsste man eigentlich Prakikumsbetriebe kontrollieren und welche, wo die Schüler_innen nur ausgenutzt oder aufs Abstellgleis gestellt werden nicht mehr erlauben. Da is dann halt wieder die Frage nach Kapazitäten.

Ich glaube es gibt noch ne Menge mehr. Aber das sind Ansätze – die teilweise glaube ich auch schon gemacht werden. Aber eben nich immer und grade dieses massive betonen von Geschlechterstereotypen hat in meiner subjektiven Wahrnehmung unglaublich stark zugenommen.

Hätte ich nich die Chance und den Freiraum bekommen mal ein 5 Wochen Praktikum zu machen und mir >>alle<< Abteilungen in dem Betrieb an zu schaun. Ich wäre nie auf die Idee gekommen Industriemechanikerin zu werden. Und ich bin echt froh drüber – weil ich tatsächlich was gefunden habe was mir halbwegs Spaß macht.

Und wisst ihr was das tollste war? In dem Betrieb, in der Produktion – keine Sonderbehandlung. Keine 1. Reihe. Ich habe alles geduldig und einfach erklärt bekommen. Ich durfte selbst ausprobieren und wurde bei nix für dumm erklärt. Da hat halt auch ein Mädel gearbeitet – und das schien so selbstverständlich zu sein.

Wenn ich mit Mäedels aus der IT rede scheint das aber eher ne Seltenheit zu sein, und ich glaube sowas hat Auswirkungen auf den Berufswunsch der nachfolgenden Menschen…

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One Response to Die ständige 1. Reihe..

  1. glyxbaer says:

    Hier noch das Paper der Studie:
    http://www.vodafone-stiftung.de/uploads/tx_newsjson/VSD-ALLENSBACH-2014-WEB_02.pdf

    enorm interessant auch Abbilungen 12 bis 15. Verdeutlicht jedenfalls den Zwang den die Eltern auf die Wahl der Kinder ausueben.

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