Leichtbier und Balsam für die Seele

ein kurzer Spielbericht aus Fürth.

Gestern fuhr der FSV nach Fürth. Eigentlich hat fast keiner mit Punkten gerechnet. Warum auch? Die Mannschaft hat in letzter Zeit alles andere als guten Fußball gespielt und bei so Spielen wie gegen Ingolstadt hat man sich nach spätestens 20 Minuten gefragt, warum man 8 Euro für son Grottenkick (von Ingolstadt und dem FSV) und 3,80 für schlechtes Bier ausgegeben hat, obwohl man das auch für wesentlich günstiger in der Oberliga hätte haben können.

Aber was solls, als Männerfußball-Fan in Frankfurt (am Main) is mer das Leid ja irgendwie gewöhnt. (Ok, die Mädels vom FFC habens diese Saison auch noch nich so raus mit dem richtig guten Fußball)

Nun ja. Wir sind trotzdem nach Fürth. Schliesslich müssen die 38 Auswärtsfans ja vollständig sein – nich das der Vorstand wieder meint es gäbe keine. Und eigentlich is da auch immer ein Stück Hoffnung. Gegen Sandhausen hats ja auch geklappt.

Der Stau war nervig, das Wetter schön, die Abtasterin von den Securitys ganz schön gründlich und der Schock groß, als im Fürther Stadion das Bier 3,90 kostet und es nur LEICHT Bier ist. Ich wurde vorgewarnt, aber ich wollte nicht dran glauben. (Das letzte Mal als ich in Fürth war war der Schock glaube genauso groß und ich glaube bis zum nächsten Mal verdräng ichs wieder).

Das Spiel beginnt. Mit der Musik von Fürth im Kopf. Ihre Hymnen sind schrecklich aber bleiben im Ohr.

In der Kurve eigentlich die übliche Stimmung – nur das man sich fragte wo die Puckis sind. Man gewöhnt sich ja an das penetrante getrommel von ihnen und wundert sich dann, wenns nich da is.

Da fällt das 1:0. Für Fürth. Innerlich die Bestätigung für das was mer ja irgendwie erwartet hat. Die Enttäuschung is trotzdem groß.

Aber da schaffts der FSV tatsächlich aus zu gleichen. Und nich nur das – sie schiessen auch noch das 1:2. Die spielen Fußball. Die haben ne halbwegs funktionierende Abwehr. Und nen Sturm. Und Pässe kommen an. Hoffnung keimt auf.

Wird gedämpft vom 2:2. Klandt is grade gegen Fürth zwar besser als sonst, aber Fehler macht er immer noch. Er scheint diese Saison geistig eh nich so auf der Höhe zu sein. Und das is in der Kombination mit der teilweise unsicheren Abwehr halt nich so gut.

Dann das 2:3. Das is der Punkt wo alle ausrasten. Viele hams gehofft. Keine_r hats wirklich erwartet. Großartig. Die ersten Liebeslieder über Grifo werden heimlich gedichtet.

Die Stimmung is gut – und für FSV Verhältnisse relativ wahrnehmbar – unter anderem – dank der Crew.

Da kommen die Puckis und es wird an die Stimmung von Sandhausen angeknüpft. Denn Crew und Puckis – die sich sonst eher nich immer so leiden konnten – stimmen zusammen “115 Jahre FSV” an und alle singen mit. Das geht ne ganze Weile so. Eigentlich bis zur Halbzeit. Der FSV führt. Der Fußball ist tatsächlich gut. Alle haben sich lieb.

Halbzeit. Leicht Bier und Bratwurst. Zigarette.

Beginn der 2. Spielhälfte. Ich hab ein bisschen Angst, dass sie jetzt einbrechen. Die Fürther haben auch definitiv noch nicht aufgegeben. Kämpfen. Als Zuschauerin macht das Spiel einfach Spaß. Ist emotional. Spannend.

Aber der magische moment ist vorbei. Jetzt geben die Puckis wieder der Ton an, ein paar machen noch mit. Aber der Rest der Kurve schweigt. Ich auch.

Warum? Support ist bei mir von der Stimmung abhängig. Mir gehts nicht um Dauerbeschallung. Die kann ich auch bei der Eintracht haben – aber da nervt sie mich. Dann singen sie Lieder die ich nicht kenne bzw nicht verstehe. Wandeln Gesänge ab. Ich mag das nicht. Da bin ich konservativ. Nach und nach steigen auch die Leute von der Crew aus.

Jetzt ist das übliche Hintergrund getrommel von den Puckis wieder alleine zu hören und die Stimmung in der Kurve ist ein wenig erstickt davon. Keine spontanen Ausbrüche von lauteren FSV rufen. Jede_r irgendwie wieder allein.

Das 2:4 fällt. Der Angriff der Fürther wird massiver. Sie haben nochmal eine richtige Chance, aber der FSV hat tasächlich mal Glück. Der Schiri ist im Gegensatz zu Ingolstadt auch echt gut – zumindest für den FSV.

Foul. Ein 11. Meter für den FSV. Das 2:5 fällt.

Die vorher gedichteten Liebeslieder auf Grifo werden jetzt gesungen. Naja – zumindest wird sein Name gerufen.

Kurz Ausrasten. Dann irgendwie Fassungslosigkeit. 2:5. Der FSV liegt nicht nur vorne – das Spiel ist tatsächlich einfach nur gut und die 3 Punkte sind so gut wie sicher. Nicht mehr Tabbellenletzter sein. So unglaublich gut. Nicht auf der Seite sein die die ganze Zeit auf dei Fresse bekommt, sondern einfach mal ein Sieg. Meine geschundene Fanseele fühlt sich ganz schön geschmeichelt.

Abpfiff. Sieg. 3 Punkte.

Die Heimfahrt verläuft müde, relativ nüchtern, aber glücklich.

Ab und an muss das auch mal sein.

Nachtrag: Ich finds total gut, das in Fürth drauf geachtet wird, dass keine Rechten Klamotten und so im Stadion toleriert werden, aber: dann sollten die Securitys auch wissen was rechte Zeichen sind und was nicht. War offensichtlich nur bedingt der Fall.

Advertisements
This entry was posted in allesdaswasglücklichmacht, Fußball and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s