Tupperwarenrekrutierungssparty..

… von Eindrücken und der Ähnlichkeit zum Fußball.

 

Ich war auf einer besonderen Art von Tupperparty. Einer wo Menschen eingeladen werden um als neue Tupperberater_innen angeworben werden sollen. Und ja es war ganz so wie mans erwartet: Sektenähnlich. Creepy. Belustigend, Peinlich und Herzwerwährmend,  vorallem, als der Sohn in einer großen Szene nen IPad und noch andere nette Gimmicks von Apple überreicht bekommen hat. Die Mutter, der er das verdankt, war den Tränen nah. Das Publikum – inklusive mir – auch.

Was mich den ganzen Abend nicht losgelassen hat. Wie schafft es eine Firma, vorallemdingen Frauen, zu solchen guten Verkäufer_innen und Geschäftsfrauen werden zu lassen. mit einem unglaublichen Willen nach Karriere.

Wenn ich mir sonstige Firmenstrukturen anschaue. Da sehe oder höre ich wenig von Frauen die Bock auf Karriere haben, besonders herausgehoben werden oder wichtige Positionen innehaben. Klar – es gibt sie. Aber nun ja – bei mir in der Firma gibt es zB 1. in der gesamten Führungsetage.

Wo wir bei dem springenden Punkt wären, wo ich glaube, dass Tupper da was verstanden hat, was viele andere irgendwie nicht zu verstehen scheinen: Wie Vermarktung so funktioniert, dass  Menschen weniger ausgeschlossen fühlen. Sich willkommen fühlen und vorallem: bock haben was zu reissen.

Der andere Punkt: Wie schnell man sexistischen Ressentiments anheim fällt, sobald man über Tupperware redet. Und wenns auch nur in Gedanken ist. Spätestens beim googlen zu Tupperwarenwitzen dürfte deutlich sein was ich meine. Dumme Hausfrauen kaufen lächerliches überteuertes Plastik und Männer machen sich drüber lustig, weils ja ach so lächerlich is.

Aber ok. Fangen wir mit dem ersten an.

Was macht Tupper so attraktiv, vorallem für Frauen(*1):

– Vorbilder. Wir habens geschafft. Und zwar Vorbilder die eine_r selbst ähnlich sind. Dicke, Dünne, Schüchterne, Prestigesüchtige – von Hausfrauen, Offizier_innen bis hin zu Krankenpfleger_innen. Alles dabei. Und sie sagen nich “Alter ich bin geil, ihr seid schlecht” sondern “Hey, ich bin unperfekt, hab Fehler und Sehnsüchte und das kann ich gut und das schlecht – aber es macht mir Spaß und das ich mein Ding”. Ja typische Sektentaktik. Aber warum? Weils funktioniert. Und ich glaube das kann auch emanzipatorisch und empowernd gestaltet werden, anstatt creepy, glücklich, Sektenstyle.

– Flexible und Alltagsintegrierende Tätigkeit die Anerkennung bringt. Ich kann von zu Hause viel machen (zumindest am Anfang), kann was “gutes” für meine Umgebung machen und gleichzeitig meinen Alltag händeln. Grade mit dem Bonisystem (was ne ziemliche verarsche is) holen sie glaube ich viele, weils einfach dann neben dem Geld (was ein Witz is im Gegensatz zum Gewinn von Tupper) von den Provsionen Prestigedinge wie Autos und IPhones gibt – oder zumindest als Anreiz versprochen bekommen. Also Familie, Beruf und Karriere in einem. Ich bin bei weitem nicht dafür, dass sich das ausbeuterische System mit dem Einkaufen und dann von zu Hause verkaufen bei Firmen durchsetzt. Aber die Anerkennung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Geht alles. Nur die meisten Firmen wollens nicht. Dabei hats selbst aus Firmensicht Vorteile (und wie dämlich Kapitalist_innen sein müssen, wenn sie das nich raffen)

So. Damits nicht ausufert. Kommen wir zum anderen Punkt. Der Sexismus.

Tupper. Haha. Plastik. Menschen die sich Nachmittags treffen, Kaffee trinken, Kataloge wälzen, sich gegenseitig Dinge vorführen und verkaufen, die sie wahrscheinlich eher nicht bräuchten, die viel zu teuer sind. Ok – ich denke wirklich so. für ne scheiß Plastikkanne 79 € zahlen is einfach so übel. Ich verstehs net. Und nein ich möchte sich auch nicht. 20 Minuten die Vorzüge einer runden Platikbox anpreisen. Lachen oder Weinen. Ich weiß es nicht.

Darüber machen sich viel Menschen lustig. Aber vorallem abwertend gegenüber Frauen.

Hm. Was sind, vorallem Frauen, denn auch so dumm und machen sowas?

Nun ja. Vorallem Männer, gehen jedes Wochenende aus um sich 90 Minuten lang an zu schauen, wie 22 andere Männer einem Ball unter gewissen Regeln herjagen. Dabei grölen, stöhnen, jubeln und jammern. Meist gehört der Konsum von Bier zum Ritual, sie zahlen horrende Summen an korrupte Verbände wie die Fifa und nehmen die längsten Fahrten – bis nach Aserbeidschan – auf sich. Nur dafür.

Und das machen nich ein bis zwei Mal. Das machen allein pro deutschem 1 Liga Stadion mit im Schnitt 25.000 Menschen wahrscheinlich 400.000 – pro Woche(!) – und das ist noch stark untertrieben geschätzt. Karriere- oder Geldverdienchancen haben dabei übrigens die wenigsten. Sektenähnlich isses trotzdem teilweise irgendwie und : es wird akzeptiert. Ich finde das natürlich gut. Ich liebe Fußball. Aber: Warum wird sich über Tupperpartys so lustig gemacht, wenn eher männlich besetzte Domänen nicht minder lächerlich und sinnlos sind.

Ich finde Tupper nich geil. Ich finds sogar echt beschissen, weil ich glaube, dass das System viele Gefahren birgt, aber: ich finde positive Dinge 1. überall (genauso wie Spinne [YT-Link]) und 2. mag ich Sexismus nicht und finde Kritik und Lustig machen über Dinge immer besser und sinnvoller, wenns nicht sexsitsich passiert.

 

 

(*1) – natürlich nicht nur für Frauen und nicht für alle. Ich versuche nicht zu verallgemeinernd zu schreiben, wenns an manchen Ecken doch passiert ist – weißt mich bitte drauf hin bzw helft mir da vll andere Formulierungen zu finden – mir fällts grade schwer

 

 

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