von Berufsschullehrenden und Pädagogik…

..und warum sich beides zu wiedersprechen scheint.

Berufsschule. Jede Woche ein Tag. Jede zweite Woche 2 Tage. Durchschnittlich 10 Schulstunden in der Woche.

Viele meiner Mitazubis mögen Berufsschule. Man kann später aufstehen. Muss sich nich so wirklich benehmen – geht ja um nix – und man hat früher frei als auf Arbeit.

Ich hab damals, als die Berufsschule begann, nicht damit gerechnet, dass ich mich genauso drauf freuen kann.

Ich wusste, dass ich wesentlich älter bin als der Rest. Ich wusste, dass ich das einzige Mädel sein werde. Ich wusste, dass Jungs zwischen 16 und 20 nicht immer die angenehmsten sind.

Was mich dann aber tatsächlich schockiert hat – und womit ich tatsächlich (so naiv wie ich war) nicht gerechnet habe: Die Berufsschullehrer_innen waren einfach viel schlimmer als meine Mitschüler.

Teilweise direkter Rassismus und Sexismus. Teilweise indirekter. Teilweise einfach nur unglaublich ignorantes Verhalten. Um mich nicht immer auf zu regen habe ich angefangen mit zu schreiben und zu beobachten.

Grundlagen für supermotivierenden und tollen Unterricht, die Sie als Lehrer_in unbedingt beachten sollten.

– regelmäßiges Wiederholen von “Wenn du Probleme und Hilfe brauchst – Frag nur.” und dann wenn ne Frage gestellt wird auf später vertrösten oder sie ignorieren

– wenn wirklich eine Frage beantwortet wird – bloß keine Mühen scheuen. Einfach den Satz von vorher ganz oft wiederholen. Dann versteht es die fragende Person schon irgendwann.

– wenn Schüler_innen bisher Notentechnisch nicht so gut waren, oder von nicht so angesehnen Schulzweigen kommen, ist ein regelmäßiges wiederholen von: “Ich weiß, das könnt ihr wahrscheinlich noch nicht, ihr werdet euch sehr anstrengen müssen. Ihr wisst schon – ohne Fleiß kein Preis.” unerlässlich. Zwischendrin darf die Formulierung natürlich ein bisschen variieren, nicht das es bei 10maliger Erwähnung langweilig wird.

– wenn Schüler_innen Namens- oder Aussehenstechnisch nicht dem Ramadeutschen Klischeebild entsprechen die Frage “Woher kommst du?” nach der Antwort “Offenbach” natürlich nicht auf sich beruhen lassen. “Ja, nein, aber woher kommst du wirklich?” “Ich bin in Offenbach geboren.” “Aber doch deine Eltern garantiert nicht?”… Das so weit und ausführlich treiben bis auch jede weiter Person weiß, dass es erst auf sich ruhn gelassen wird, wenn da was anderes als “Deutschland” zu hören is. Danach eine Predigt über Toleranz und “wir akzeptieren hier ja jeden” sollte natürlich nicht fehlen.

– darauffolgend unbedingt in den Unterricht einfliessen lassen, dass man ja so tolerant ist und nach den Gepflogenheiten in den jewaligen “Herkunftsländern” fragen – ob es passt oder nicht.

– wenn sie nur ein männliches/weibliches Wesen in der Klasse haben: nicht vergessen permanent den Unterschied zur Klasse zur betonen. Ansonsten könnts ja noch vergessen werden. Auch sind etwas persöhnlichere Fragen immer gerne gesehn. Könnte ja auch den Rest der Klasse interessieren.

– da man paritzipativen Unterricht gut findet, sollte man versuchen alle Schüler_innen durch Wortmeldungen und Beiträge teilhaben zu lassen. Nachdem die Klasse was erarbeitet hat sollte man aber unbedingt den eigens vorbereiteten Text diktieren. Immer. Das dürfen dann alle Schüler_innen wie all die Jahrgänge davor auf das tolle Handschriftlich mal entworfene Arbeitsblatt drauf schreiben. In Klassenarbeiten wird dann auch nur diese Formulierung erlaubt. Alles andere ist schliesslich falsch.

– technischen Fortschritt ignorieren. Grade in technischen Berufen verändert sich ja eh nichts. Vorallem nicht die Schulliteratur. Ist ja schliesslich gut. Also muss man am Unterrichtsinhalt auch nichts verändern. Wenn Schüler_innen an Modernem auch noch Interesse zeigen, oder am Ende in ihren Betrieben moderneres haben – kann es nicht wahr sein, ist das schlecht, braucht man es nicht, oder wird sich auf Dauer nicht durchsetzen.

– daran anknüpfend ist das was vor 30 Jahren gut war heute natürlich auch noch gut. Auch die Unterrichtsmethoden. Wenn da jemand von irgendeiner Schulbehörde aus abgehobenen und dämlichen Akademiker_innen kommt, die keinerlei Praxiserfahrung haben – einfach ignorieren. Klar – der Lehrplan und die IHK-Prüfungen werden verändert, aber doch der eigene Unterricht nicht. Heißts halt jetzt Lernfeld 5 – einfach weitermachen mit “Technischer Mathematik” “Zeichnen” und all dem anderen was bisher auch immer funktioniert hat.

 

Zu guter letzt bleibt zu sagen: natürlich sind nicht alle Lehrer_innen so. Ich habe schon viele coole und engagierte gehabt. Die dürfen gerne mit dem einfach weiter machen, was sie gut können. Da kann Unterricht und Lernen auch Spaß machen. Leider ist das eher selten.

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3 Responses to von Berufsschullehrenden und Pädagogik…

  1. Zahnradfee says:

    War zum Glück bei uns nicht so.
    Wir hatten zwar den einen oder anderen ein bisschen langweiligen Lehrer, aber Sexismus und Rassismus ist mir von Lehrern aus nie untergekommen. Dafür umso mehr von meinen Klassenkameraden. Da waren ein paar richtige Arschlöcher darunter.
    Was den Inhalt des Unterrichtes angeht, war es eigentlich ziemlich modern. Die haben sich schon Mühe gegeben, auf dem Laufenden zu bleiben. Das Einzige, was genervt hat war, dass für manche Fächer so wenig Zeit blieb, dass man eben wirklich nur diktieren und abschreiben lassen konnte, z.B. in WiSo.

  2. Sturmfrau says:

    Bin auch eine Spätstarterin und sitze jetzt mit 38 noch mal in der Berufsschule. Ich freue mich jede Woche wieder drauf, weil es tatsächlich etwas zu lernen gibt (wenn man mal von unserem ziemlich rückgratlosen Referendar absieht). Die Geschlechterverhältnisse sind bei uns (Mediengestaltung) aber umgekehrt (fünf Jungs zu 17 Mädchen), weil ich nicht in einem “typischen Männerberuf” lerne.

    Aufgefallen ist mir, dass bei uns zwar kein offener Sexismus herrscht und insbesondere die Schüler selbst ziemlich entspannt sind in Sachen Geschlechterverhältnisse, aber schon manches alte Klischee breitgetreten wird. Zum Heranschleppen der Mediengestaltungs-Kompendien werden die “Männer” heranzitiert – mal ehrlich, warum sollten Frauen keinen Stapel Bücher tragen können? Und letztes Jahr im Lernfeld 5 (Webdesign, Programmierung) waren die Jungs die Cracks, während die Mädchen vor den Rechnern saßen und kapitulierten.

    Ich arbeite in einem handwerklichen Betrieb, und da ist auch schon mal Anpacken gefragt. Ich bin begeistert, wie viele Frauen bei uns arbeiten und gar keine Scheu davor haben, sich die Hände schmutzig zu machen. Aber natürlich gibt’s auch bei uns diese Klischees. Meine Vorgängerin sagte mal, sie müsse nicht beim Tragen helfen, sie sei schließlich eine Frau. Und mir wurde im selben Atemzug ein schweres Teil aus den Händen genommen, denn man(n) mutmaßte, das sei zu schwer für mich. Zotiges ist natürlich auch immer wieder an der Tagesordnung. Außerdem ist ein Kandidat bei uns im Betrieb ziemlich deutlich homophob. Wie gehst Du mit sowas um?

    • Das übliche Männer heranzitieren kenn ich noch aus meiner ersten Ausbildung als Sozialassistentin – da gabs auch nur 2 Jungs. Als wir keine Jungs mehr hatten wurden immer die “starken Mädels” gefragt. Und es gab immer Mädels die was nich machen wollten. Finde ich ansich auch legitim – wenn man allerdings fast nur Mädels um sich rum hat zieht das Argument mit: weil ich ein Mädchen bin, halt nicht. Ich finde auch man sollte auch niemanden zu was Zwingen – das is nicht die Aufgabe von Mitazubis.
      Und das es Sexismus bei allen gibt ist leider ne Tatsache.
      Ich hab eine Mitauszubildende Zerspanerin, die auch regelmäßig bei Sachen sagt: das macht sie nich weil sien Mädel is… Ab und zu mal diskutier ich mit ihr drüber. Was ich aber hauptsächlich mache is zu schaun im Gespräch mit anderen Azubis deutlich zu machen, dass es absurd ist, alle Menschen in einen Topf zu werfen wegen ihres Geschlechts
      “nur weil du Männlich bist und Sascha*(Beispiel Name) auch, heißt das ja nich, dass du auch automatisch gerne kochst, weil Sascha auch gerne kocht. Wenn also Nina sagt, dass sie was nich kann, weil sien Mädchen ist, ist das für sie so richtig. Aber nicht für alle anderen Mädels.”
      Das funktioniert nicht immer – aber ab und zu denkens drüber nach. Vorallem weil sowas wie die große Feminismusdebatte vom Zaun brechen meist weniger hilft.
      Beim Tragen – wenns nicht Rücken schädlich is – nerv ich so lange bis ichs auch darf (es sei denn mein Kollege bekommt sonst Ärger).
      Bei Homophoben Sprüchen kommts auf die Umgebung an. In der Berufschule kommt von mir bei sowas immer ein “nöt” als Zwischnruf und nachm 2-3 Mal die Warnung, dass er garantiert keinen Bock hat das mit mir auszudiskutieren.. Ich kann nämlich anstrengend sein. Muss man halt mit rechnen im Zweifel zwischendrin wirklich drüber zu diskutieren.
      Bei Kollegen – die meine Vorgesetzten sind – geht das natürlich nicht. Da kann ich überhaupt nur bei Leuten was sagen, mit denen ich zwangloser reden kann. Da hab ich irgendwann angefangen meine persönlichen Grenzen bei ihnen zu ziehen. Dinge wo sie mit mir immer Ärger bekommen sind Vergewaltigungswitze, Kindstodwitze und zu penetrante homophobie und Sexismus.
      Dh ich sag nich bei jedem Homophoben Spruch was – gibt halt immer nen bösen Blick und ich mach nich mit, und wenns der 5te is bin ich halt deutlich genervt und der Kollege kriegt nen Spruch gedrückt aller “Wenn du dich so für Schuwle interessierst geh in die nächste Schwulenbar, aber nerv mich mit deiner unaufgeklärtheit net..” oder ähnliches. Das is alles andere als perfekt und das funktioniert auch nich bei jedem. Aber politisch diskutieren hab ich aufgegeben….

      Wenns mir scheiße geht kann ich sowas halt auch nich. Da fällts mir schwer gegen irgendwas was zu sagen. Und von heute auf morgen funktionierts einfach nich. Was ich halt cool finde, is, dass es tatsächlich nach den 2 1/2 Jahren tatsächlich Veränderungen gab. “Jude” is in meiner Klasse zB kein Schimpfwort mehr und der Sexismus is tatsächlich weniger heftig geworden.

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