Wir sind die Macher…

..oder eben auch nicht.

Ich hab bei der letzten Ausgabe der metallzeitung (Link PDF. der Mitgliederzeitschrift der IG Metall) mitgearbeitet. Anfangs positiv überrascht, das wir wirklich so viel machen dürfen – am Ende resiginierend, weil klar war, dass es eben doch nicht so läuft.

Am Ende des ganzen Prozesses mit der Zeitung und dem dazugehörigen Blog,  den wir gemacht haben, war ich aber vorallem sauer über meine Naivität. Die Naivität zu denken, dass sich in solchen Strukturen auch mal was kleines neues unterbringen lässt.

Ich wollte darüber einen Text schreiben. Ich hatte sogar schon einen Schlusssatz:

“Da geh ich lieber Fußball schaun, da weiß ich wenigstens, dass eh egal is wie ich am Spielfeldrand pöbel”

Ich finde den Satz immer noch schön und ich habe immer noch das Bedürfnis meinen ganzen Frust über das Seminar hier los zu werden – aber: das wäre fast schon zu langweilig.

“Wir sind die Macher”

Was eine schöne Bezeichnung. Was eine Wunderbare Präsentation. Junge Menschen die Machen. Die Gestalten. Die sich einbringen und die IG Metall als Organisation voll unterstützen. Wie echte Männer. Son bisschen verklärter WillyBrandt style.

So versucht zumindest die metallzeitung uns darzustellen. Hat leider nur bedingt was mit der Realität zu tun.

Aber die Ehre, dass sie damit ein Alleinstellungsmerkmal hat, geben wir ihr jetzt mal nicht.

Wenn du als junger Mensch (ich würde sagen bis um die 30 Jahre) irgendwo (ok, damit meine ich tendenziell Vereine, Gewerkschaften und Parteien) hinkommst ereignet sich folgendes

– Yeah wir haben einen jungen Menschen.

– Junge Menschen haben tolle Ideen: bring dich ein

– deine Ideen sind ja alle voll toll, mach doch einfach überall mit und gib dein restliches Leben auf

– Lass uns dein Gesicht überall draufpflacken damit wir zeigen können wie toll und jung wir sind und noch attraktiver für mehr junge Menschen werden

– Waaaas? du willst wirklich mitreden und Strukturen und altbewährtes auch nur ein bisschen verändern? Du bist doch verrückt – bleib doch bitte einfach fotogen in der ersten Reihe stehen, geniess deine Privilegien und halt die Klappe.

Bis man sich dann eine Position erkämpft hat, aus der man was verändern könnte is man dann meistens so angepasst, ausgebrannt und unkreativ geworden, dass man gar nichts mehr ändern will.

Ich musste am Ende meiner Partei”karriere” glaube wirklich nicht mehr drum kämpfen. Ich glaube wenn ich Bock gehabt hätte wirklich was zu tun – ich wäre mit offenen Armen empfangen worden.

Ich wollte aber nicht mehr.

Was das mit der IG Metall zu tun hat?

Da läufts meines erachtens genauso.

Auch viele Vereine haben ähnliche Strukturen.

Es gibt die Herren und Damen die sich gemütlich zusammensetzen und wissen wies läuft. Bedürfnisse wie Partizipation und Mitbestimmung gabs früher auch nicht. Da gings um den Klassenkampf und wenn dein Genosse Vorsitzender gesagt hat, dass das gemacht werden muss, dann wurde das gemacht. Und wenn die Jugend (wie häufig schon in SPD Umfeld zB geschehn) mal aufmüpfig wird – na – dann stellen mer se ruhig.

Ich glaube tatsächlich, dass das aber nicht nur mit dem Geltungsbedürfnis mancher Menschen zu tun hat, sondern auch mit den verkrusteten Strukturen.

Parteien.

Vereine.

Gewerkschaften.

Ihr könnt ja den Namen meinetwegen beibehalten – aber das Top Down Prinzip der alten Schule ist nicht zukunftsfähig. Das hat die Piratenpartei bei ihrer Gründung schon gesehn (aber leider nicht geändert) und alle Institutionen spüren es, weil die Mitgliederzahlen stagnieren.

Naja. Aller Erkenntnis zum trotze, werde ich natürlich immer meinen Rahmen suchen in dem Dinge möglich sind. Meine Lokale IG Metallgruppe in Offenbach is zum Beipiel ganz cool. Aber schad wenns in der Dachorganisation so knaxt….

Damits nicht nur beim Gemeckere bleibt, hier ein paar Sachen die cool gewesen wären:

– Wenn man Menschen anbietet was zu tun: machen lassen, auch wenns manchmal nich das is was man selbst tun würde.

– Wenn man bewährte Strukturen hat heißt das nich, dass sie nich auch gerne mal verändert werden dürfen – grade wie bei der metallzeitung wurde sogar gekennzeichnet, dass es andere gemacht  haben – da hätte man einfach mal ein bisschen ausbrechen dürfen (sie haben ohne zu Fragen meine Text über Bier rausgenommen -.-…)

– Infrastruktur bereit stellen. Für Leute die grade was lernen und neu entdecken is das wichtigste die Infrastruktur um alles machen zu können und vielleicht ein paar Stupse um einer die Angst zu nehmen. Da sind die “alten Hasen” schliesslich die Profis drin. Wenn aber das schon nich klappt is doof

– Keine Angst vor Kritik haben. So viele Dinge werden so vielen Menschen nicht erlaubt in Strukturen, weils ja Kritik geben könnte – ich verstehs nicht. Ab und an mal auch innerhalb einer Organisation anecken finde ich fast schon lebensnotwendig um wenigstens so ein bisschen Lebendigkeit drin zu behalten

– Menschen nich mit ewig langen Sitzungen und Tagesordnungen komplett demotivieren. Sitzungen gut vorbereiten, gut Strukturieren, Redner_innenlisten etc auch wirklich nutzen und am besten jede_r auf die Füße treten die einfach ausarten mit der Redezeit. Sowas konsequent durchgezogen sorgt häufig dafür, dass Leute sich nach und nach einfinden können und sich dann auch wirklich beteiligen.

– konkreter zu unserem Seminar von eine_r anderen Teilnehmer_in ergänzt: Nach meinem Verstädnis sind Gewerkschaften entstanden um die Wünsche der Arbeitnehmer_innen auch durchzusetzen. Das heißt die Interessen dieser vielen zu vertreten. Aber nein statt dessen ist mittlerweile ein Rahmen gebaut in dem das Interesse gar nicht klar geäußert werden kann. Es ging darum einen Artikel zu verfassen, am Ende wurde aber alles was den Charme des_r Autor_in ausgemacht hat vertilgt. Was soll denn passieren, wenn ein paar Jugendliche in ihrem Stil schreiben, die Texte einfach umgangssprachlicher klingen. Wir leben in Zeiten des Internets jede_r der_die eine Zeitung liest, ist auch andere Medien gewöhnt wo jede_r alles schreiben darf. Die Bereitschaft sowas [andere Sprach und Schreibstile] anzuerkennen ist einfach viel höher, weil es keine Ausnahme mehr ist. Warum nicht mutig sein und Menschen die auch die Ziele der Gewerkschaft haben, so formulieren lassen wie sie wollen.

Klar is nich alles überall anwendbar, aber grob zusammengefasst: lasst halt Mal mehr Veränderung zu – bringt euch schon nich um.

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