Zwischentöne

zwischen Klassen, Unterschieden, Sprache und Geschlecht.

 

Ich wurde demletzt korrigiert. Gepostet habe ich: “Ich habe die … kennengelernt” . Dann kam von der Person die Korrektur bei Twitter: “die* oder die*der bitte” – Ich hatte schlicht und ergreiffend nicht darüber nachgedacht, als ich den Tweet gepostet habe.

Nicht böse gemeint. Nicht besserwisserisch oder so. Jemand hat mich schlicht und einfach drauf hingewiesen dass dieser Mensch eben nicht als “die” gelesen werden will.

In der Überlegung auf meine Antwort von “Sorry, war nicht so gemeint” bis hin zu “werde es mir merken” waren irgendwie alle Formulierungen dabei.

Ich war mit allen unzufrieden.

Ich fand den Menschen sympathisch. Ich habe automatisch angenommen, dass sie*er weiblich ist. Ich kam in dem Moment nicht auf andere Geschlechtslesarten. Dabei habe ich den Anspruch für mich Queerfeministin zu sein – oder zumindest diese Theorie für mich am plausiebelsten zu halten. Mich selbst auch nur bedingt in der zweigeschlechtlichen Welt wieder zu finden.

Aber, in der Situation ist mir aufgefallen, dass ich eben doch in sehr starren Denkmustern agiere.

“Früher wäre mir das nich passiert”

Ich habe den Abend Resumee ziehen lassen. Und dabei ist mir ein bisschen was aufgefallen. Ich spreche nicht mehr selbstverständlich in weiblicher bzw geschlechtsneutralen Sprechweise. Ich muss wieder drüber nachdenken.

Warum? Wenn ich mit meinen Mitazubis rede und nur die weibliche Form verwende, denken sie ich rede nur über Frauen. Also habe ich versucht, mir dir binäre Geschlechterredeweise bei ihnen an zu eignen (zB Kolleginnen und Kollegen). Da ich aber sehr viele Situationen auf der Arbeit habe, wo es schlicht und einfach nur (zumindest von mir so gelesene) männliche Kollegen gibt, macht das teilweise keinen Sinn bzw werde ich gar nicht mehr verstanden, wenn ich von männlichen und weiblichen Formen rede. Also rede ich (schreiben ist nochmal was anderes) tatächlich mittlerweile im generischen Maskulinum (das was bei den meisten Alltagssprache ist).

Plötzlich bin ich aber wieder in feministischen Kreisen und merke wie ich über jedes geschlechtskonontierte Wort stolpere. Es mir schwer fällt zu sprechen. Ich unsicher werde. Mich schäme für plötzlich nur verwendete maskuline Redeform. Ich weiß, dass mir die Menschen von meinem geliebten queerfeministischen Biertrinken das nicht übel nehmen. Deswegen liebe ich sie ja so. Kein elitäres Gehabe. Kein auf anderes herabschauen. Eben ein ziemlich bunter haufen von bewundernswerten Menschen.

Ich scheitere halt da wieder an meinem eigenen Anspruch. An den Dingen die ich früher mit Vehemenz vertreten habe und heute darüber nachdenke ob es vielleicht falsch war.

Aber weg von mir zu allgemeineren Überlegungen.

Geht es nicht anderen Menschen vielleicht auch so, wenn sie in Kreise reinkommen, in denen andere Sprechweisen existieren? Hat das damit Klar kommen, dass sie verwendet werden eventuell auch was mit der eigenen Lebensrealität zu tun, aus der man selbst kommt? Schliesst das damit nicht automatisch wieder Menschen aus? Meiner Vermutung vorallem Menschen die nicht aus akademischen Zirkeln kommen…

Auf der anderen Seite produziert Sprache ja auch Ausschlüsse, wenn eben nur in der “männlichen” Form geredet wird. Frauen*Lesben*Inter*Queer…. – werden schlicht unsichtbar gemacht in dem, was so an Alltagssprache (zumindest bei mir) vorkommt. Solche Treffen wie ein Queer-feministisches-Biertrinken sollen ja ganz expliziet Räume sein, in denen eben jede_r einen Platz findet – unabhängig von Geschlechtsnormierungen, -Zugehörigkeiten etc.

 

Aber wie kann beides zusammenbekommen werden?

 

 

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3 Responses to Zwischentöne

  1. Andreas says:

    Ist Sprache nicht fast immer auch ein Mittel sich einer bestimmten Gruppe zugehörig zu zeigen (und damit automatisch von anderen Gruppen distanziert)? Ob ich bestimmte technische Termini benutze, ob ich Worte wie “Termini” sage – mit jeder Formulierung zeige ich, mit welcher Gruppe ich identifiziert werden will.
    Also klar, wenn ich in einer 08/15 Werkstatt mit überlegter, feministischer Sprechweise daherkomme, sage ich allen Anwesenden gleichermaßen: “Ich gehöre ideologisch nicht zu euch.” Das kann Unverständnis auslösen oder sogar Fronten bilden.
    Das eine Art zu sprechen “richtiger” ist, oder auch einfach nur weniger Menschen weh tut, löst die kulturellen und identitätsstiftenden Aspekte von Sprache nicht auf. Ich begrüße für mich persönlich deshalb alle, die sich die Mühe machen, über ihre Sprechweise nachzudenken, finde Zurechtweisungen dabei aber unangebracht. Oftmals stößt man damit Menschen vor den Kopf, die vielleicht gar nicht engstirnig sind, sondern einfach nur nicht mir der Art und Weise der Sprache, die ICH für richtig halte, nicht bewandert sind. Denn bei Kenntlichmachung und Gendern gibt es ja auch 1001 Wege.
    Wenn du dich an deiner eigenen Sprechweise reibst, dann finde ich das bewundernswert, welche Gedanken du dir machst. Am Ende ist dann ja fast egal was dabei raus kommt – Die richtigen Gedanken waren da.

    • Stimme dir zu. Aber – die “richtigen” Gedanken zu haben finde ich eher unbefriedigend.
      Wenn sich jemand bei meinem Biertrinkstammtisch unwohlfühlt, weil ich durch meine Sprechweise deutlich mache, dass ich vergesse das nich alle nem binären Geschlechterrollenbild entsprechen – dann will ich das ändern.
      Auf der anderen Seite habe ich in meiner Ausbildung schon ein paar Menschen kennen gelernt, die sich im “Werkstattstonus” nur bedingt wohl fühlen zb auch weil sie Schwarz oder Schwul sind. Sie würde sich auf so nem Stammtisch wahrschienlich aber auch unwohl fühlen, weil der Habitus ein ganz anderer is – von dem die Sprache eben ein Teil ist…. Ich würde das gerne irgendwie zusammmenbringen.

  2. Pingback: Franziska Naja | Das Featurette Blog

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