Programmatische Lebensbezüge

über Programmieren, Zugfahren und Lernen

 

Ich habe versucht mir selbst Java bei zu bringen. Weit bin ich nicht gekommen.

Jetzt sitze ich in der Schulprojektwoche mit lauter Schülern, die sowas wie Java im Unterricht haben und ich bin heillos überfordert.

“Na und dann muss du logischerweise das und das machen” – Ja, öh. ne. Voll logisch, wa? Wenn mir jemand Sachen und Abfolgen erklärt, versteh ich sie. Aber von alleine wäre ich da einfach nie drauf gekommen. Einfach weil ichs noch nich kann.

Ich sitze in der Bahn. Mir gegenüber eine ältere Frau, die einer Jüngeren – die anscheinend noch nicht so lange in Deutschland ist – den Bahnstreckenplan erklärt und worauf sie beim Ticket kaufen, beim Orientieren am Bahnsteig achten muss. Die Jüngere wiederholt und stellt Fragen. Man merkt ihr an, dass es ihr wichtig ist.

Ich wundere mich ein bisschen. Eigentlich ist der Netzplan von Frankfurt ja recht logisch.

Da muss ich an meine kläglichen Programmierversuche denken.

Nein. Nichts ist logisch. Zumindest nicht, wenn man Hintergründe, Zusammenhänge und Struktur nicht kennt. 1 + 1 = 2 ergibt auch erst Sinn, wenn ich verstehe, dass 1 eine Zahl/Wertigkeit ist die zB für einen Apfel steht. Und wenn ich einmal das Beispiel 1  Apfel + 1 Apfel = 2 Äpfel vor mir hatte, versteh ich zumindest die Grundzüge (Mathe kann ich dann allerdings auch immer noch nicht).

Ich fahre seid dem ich klein bin (und das ich bei meiner Körpergröße tatsächlich etwas sehr viel länger her) alleine Bahn. Ich verstehe auch im europäischen Raum in der Regel nach ner Minute die Bahnautomaten. Einfach, weil die Systeme recht ähnlich sind.

Aber wer sowas schlicht nicht kennt – wahrscheinlich sinds dann genauso böhmische Dörfer wie für mich grade Java-Programmieren.

Ich glaube manchmal vergisst man gerne, dass vieles eben nicht selbstverständlich ist. Das es auf so vieles ankommt, ob man etwas versteht, schon kann, logisch findet oder eben auch nicht.

Ich würde gerne irgendwann Ausbilderin werden. Ich hoffe, ich lesen den Text dann vielleicht nochmal und erinnere mich dran, wie es ist, als Azubi vor etwas zu stehen. Es nicht zu können und dankbar dafür zu sein, wenn es einem jemand erklärt. Nichts erwartet. Einen nicht runter macht. Sondern einfach nur erklärt.

 

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2 Responses to Programmatische Lebensbezüge

  1. lhabc says:

    Viele sagen, Programmieren wär ne Sache von Talent. Ist es aber nicht. Ist meiner Erfahrung nach reine Übungssache. Ich ärger mich immer, wenn Leute darauf beharren, es würde nur aufs Talent ankommen, weil sie damit diejenigen, dies noch nicht können, total demotivieren. Die wissen dann genau: Ich werds auch nie können. So ein Quatsch.

    Dann gibts die Leute, die behaupten, bei Mathe würds aufs Talent ankommen. Ja, ja. Ich hatte grad ne Nachhilfestudentin, die ist beim ersten Versuch durch ihre erste Mathe-Klausur glatt durchgehagelt. Ein Semester mit Nachhilfe später schreibt sie ne 1,0… Ich würde sagen, irgendwer hatte nicht rech 🙂

    • Zustimmung.
      Ich glaube es hat ganz viel mit “antrainierten” Denkstrukturen zu tun. Hat man die einmal im Hirn gehts einfach (da reden dann viele von Talent). Hat man sie nich bleibts immer schwierig. Und da kommts dann echt drauf an wie gut man im selbst Beibringen is oder wie verständlich die Leute sind dies einem erklären.
      Ich bin auch in der 11 sitzen geblieben wegen Mathe – Integralrechnung. Ich habs halt auch einfach nich gerafft. 2 jahre später – mit ner unglaublich guten Mathelehrerin. Fachabi ohne was zusätzlich zu lernen mit ner 2+ geschrieben.
      Ich glaube die Frau war so gut, weil sie uns gezeigt hat, dass es kein kompliziertes Hexenwerk is, praktische Beispiele gebracht und vorallem und jede noch so kleine Denkstufe erklärt und nich erwartet hat, dass wirs sofort verstehn.

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