Was ne Kampflesbe..

oder: feiern wir den homophoben Freitag.

Ein schöner verkaterter Sonntag. Kurz vor der DFB Verlosung. “mein Mitbewohner und ich haben jetzt den Homophoben Freitag eingeführt.” ich weiß nicht so recht wie ich reagieren soll. Er bemerkt meinen verknitterten Gesichtsausdruck “Mein Mitbewohner darf das – der is schwul” Ich habe aufrgund meines Geisteszustandes nicht wirklich Debattenbedürfnis. Ausserdem is ja gleich DFB Auslosung. So weit so gut. Nichts tragisches. Das übliche halt irgendwie.

Aber dann kommt noch ein Nachtrag “Mein Mitbewohner und ich mögen nämlich keine Schwuchtel”

Anderer Ort andere Zeit. Andere Debatte. Artikel über Beatrix von Storch mit Bild von ihr. FacebookKommentar drunter: “Und Madame hier auf dem Bild sieht ja auch eher wie eine verkappte Kampflesbe aus. Sie weiß es vermutlich einfach selbst noch nicht (oder will es nicht wahrhaben).” Ich habe dann (aus meiner Perspektive noch sehr zurückhaltend) geantwortet “Hmpf. Die von Storch is scheiße – aber deswegen nen dummen Kampflesben Spruch bringen?… na Danke.” und als Antwort bekomme ich : “Als Schwuler nehme ich mir die Freiheit, ja. Wenn man das unbedingt falsch interpretieren möchte – bitte, bleibt jedem selbst überlassen.”

 

Ich würde beiden tatsächlich unterstellen, dass sie nicht durch die Gegend laufen und Leute scheiße behandeln. Ich kann mir sogar gut vorstellen das zweiterer schon genug Probleme von der Gesellschaft aufgezwängt bekommen hat.

Aber.

Was haben Schwuchtel und Kampflesbe als gemeinsamen Nenner?

Das Herabwerten von Frauen (jetzt mal neben den anderen Aspekten). Einmal is der Schwule zu “weiblich”. Schwule können ja durchaus akzeptiert werden. Aber nur wenn sie hart und “männlich” sind. Und einmal is die weibliche* Person zu männlich – kann also als Frau nicht ernstgenommen werden bzw muss lesbisch sein. Schliesslich ist es die Hauptaufgabe der weiblichen Bevölkerung schön zu sein und Männern zu gefallen. Wenn da mal eine aus dem Rahmen fällt: muss ne Lesbe sein.

Beides finde ich nicht cool. Warum sollten Menschen immer unbedingt irgendwelchen Geschlechterstereotypen entsprechen? Und warum werden sie herabgewertet, wenn sies nicht tun?

Und wenn jemand mit tratschigen oder burschikosen Menschen nich klar kommt. Is in Ordnung. Ich kann Beatrix von Storch ja auch nich leiden. Muss ja auch keine_r.

Warum wollen Menschen dann aber unbedingt immer noch jemanden beleidigen wegen dem (nicht-)entsprechen von Klischees?

Kinners: das macht doch einfach keinen Sinn.

Punkt 2, den beide gemeinsam haben. Die Aussage: “Ich bin schwul ich darf das”.

Ich habe mich selbst auch schon mal als “Kampflesbe” oder “Krüppel” wegen meiner Sexualtät oder meiner Behinderung genannt. Aber ich darf mich so nennen. Da gehts um mich. Um Dinge zu konterkarieren. Überspitzen. Zu provozieren. Aber nein: ich habe nicht das Recht drauf andere Menschen so zu bezeichnen. Damit mache ich nämlich dann das selbe wie alle anderen auch.

Ja ich weiß – wir sind alles kleine Herdentiere und möchten bitte nicht auffallen, den gleichen Humor wie alle haben und nicht denken. Aber ich finde, ab und zu sollte man die Herdentrieb mal überdenken und vielleicht nicht mitmachen, nur weils eben “normal” is Menschen als Kampflesbe oder Schwuchtel zu bezeichnen. Andere Menschen fühlen sich damit nämlich wohler….

 

 

 

 

 

 

 

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