Programme sprechen lassen, aber wofür?

…warum ich Programmiersprachen als extra Unterrichtsfach nur Bedingt für “die Lösung” halte.

Seid Jahren gibt es die Debatte um das Thema, wie im Bildungssystem hierzulande der Umgang mit Medien und der zusammenhängenden Technik geregelt werden kann. Unter anderem gibts die Forderung Programmiersprachen als Pflichtfach ein zu führen.

Nen Blogtext der es ganz kurz umreißt und auf andere spannende Sachen verweißt findet ihr hier, den Anstoß im Endeffekt hat aber der Text hier gegeben, der das Thema halt mal wieder aufrollt.

Nun finde ich den Ansatz nicht schlecht. Glaube aber, dass er ein bisschen was überspringt.

Technikeinschliessender Unterricht

Jede_r in meiner Umgebung unter 22 hat ein Smartphone. Viele haben nicht mal mehr PCs. Benutzt wird es ständig.

1. Den Unterricht können sich viele Lehrer_innen im Prinzip auch sparen – es hört ihnen eh keine_r zu. Klar – das war auch in der Zeit vor dem Smartphone so, aber jetzt reden halt nicht mehr die Schüler_innen miteinander sondern schreiben sich in der WhatsApp internen Klassengruppe ö.ä. – schlimmer wirds dann immer, sobald die Lehrenden noch ein gewissen Technikfremdeln zeigen. Dann nimmt sie eh kein_r mehr ernst.

Meiner Erfahrung in der Berufsschule nach wird den Lehrer_innen zugehört, die das ganze in den Unterricht integrieren. Wir wissen irgendwas nicht? – kann mal jemand kurz googlen? (das mit der Kritik an Google wäre dann ein 2. Schritt). Einer hat ein Tablett – alle Vorträge und erarbeiteten Sachen werden damit abfotografiert und auf die Leinwand gebracht. Der Sitzplan is digital und wenn jemand mist baut wirds da für jede_n ersichtlich eingetragen etc. Das sind kleine Ansätze, aber sie scheinen in Teilen zu funktionieren.

Meines Erachtens wäre also der 1 Schritt: ein Lehramtsstudium muss Medienkompetenzmodule enthalten (neben der entsprechenden pädagogischen Handhabe versteht sich). – Ich habe allerdings zu wenig Ahnung von Universitären Prozessen um da qualifiziert meinen Senf zu zu geben.

Der Autor spricht das zwar in seinem Text an – aber eher so, als ob das ja irgendwie selbstverständlich wäre. – Isses meines Erachtens nicht. Weil wer macht denn die Politik die entscheidet was wo umgesetzt wird? Leider nicht die Menschen von denen ich einen solch selbstverständlichen Umgang mit Technik erwarte….

Kritischer Umgang mit Mediennutzung

Wenn dann mal mit Medien umgegangen wird, hört man maximal aus ner Gymnasialen Oberstufe, dass Wikipedia keine Quelle ist, die angegeben werden darf. Finde ich schonmal nich ganz doof, aber is halt auch echt nicht alles. Wenn ich mal wieder meine Berufsschulklasse als Referenz benutzen darf, dann haperts an so vielem mehr: Umgang mit Suchmaschinen – wie finde ich sinnvolleres als nur Wikipedia, Umgang mit fremden Daten – was darf ich wofür eigentlich verwenden und wo finde ich diese Hilfe, Umgang mit eigenen Daten – welche Daten gebe ich von mir wo preis….

Im Prinzip könnte es mit “Hilfe zur Selbsthilfe” überschrieben werden. Auch wenn man mit dem Zeug aufwächst und gewissen Dinge Intuitiv bedienen kann, heißt das noch lange nicht, dass das weiter als bis zum Oberflächen Ankratzen reicht. Und ich glaube auch, dass bevor Schüler_innen etwas vorgesetzt wird, es nicht schadet zu sehen wofür was gemacht wird.

Hardware und Software

Jetzt kämen wir zu dem Punkt mit der Programmiersprache. Ich würde sie aber in gleichwertiger Verbindung auch mit der Hardwarenutzung bringen. Warum funktioniert technisch eigentlich was und wie? Nur weil ich weiß wie die Grundstruktur von Programmieren funktoniert bleibt doch trotzdem für mich das eigentliche Funktionieren von Datenübertragung Zauberei. Und ich glaube dafür brauchts aber auch keine eigenen Unterrichtsfächer. Sowas lässt sich hervorragend in Naturwissenschaftsunterricht einbauen, bzw das Programmieren in alle Unterrichtsfächer.

Warum nicht als Klassenprojekt für Mathe mal ein Programm zum Satz des Pythagoras programmieren?

Womit wir aber auch wieder beim Problem wären, dass wir 1. Lehrer_innen bräuchten die die Grundlagen von Programmieren beherrschen und 2. Zeit in der Schule, um auch mal nen Monat ein zu schieben um eine entsprechende Sprache mit den Schüler_innen in ihren Basics zu lernen. 3. Geld, um Lehrer_innen in die Fortbildungen zu schicken, die Ausstattung zu bekommen usw. Mein größter Grauss wäre, dass dann noch mehr Konzerne Platz in der Bildung bekommen. (Mein Unterricht zum Thema Atomenergie powerd bei RWE war einfach Oscarreif…)

Aber hey – der der Große Haken an der Debatte ist ja eigentlich: Schüler_innen sollen mehr und mehr lernen, in immer weniger Zeit, von meist komplett unterqualifizierten und überforderten Lehrkräften, die nach spätestens 10 Jahren keine Lust mehr haben, weil ihnen nicht nur demotivierte Schüler_innen aufn nerv gehen, sondern auch Übererwartende Eltern und Betriebe, die denken, ihre Kinder/Auszubildenden kommen da raus und können dann alles. Nebenbei wird dann noch ständig die Schulform geändert. (Wobei ich das sich wehren gegen G8 im Gegensatz zu Herrn Lumma aus dem oben angegebenen Text auch als wichtig erachte) – gleichzeitig sind wir aber alle nicht Ausbildungssreif, werden ja immer dümmer, was man sich als Schüler_in/Auszubildende_r eben nicht alles anhören darf.

Bitte baut doch Lehrpläne so um, dass es nicht mehr wird, sondern dass ich da am Ende rausgehe und weiß wie ich mein Handwerkszeug nutze und nicht nur Fachwissen einen Tag nach der Klassenarbeit wieder auskotzen muss, weil neues rein muss.

 

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