Ich, die Genderstudierende, die keine wirklichen Probleme hat….

… ich las diesen  http://www.donnerhallen.de/2013/12/08/meine-fernbeziehung-zum-netzfeminismus  Blogbeitrag – und welch eine Überraschung, ich ärgerte mich – was die  Autorin dem Text nach wohl auch tut.

Ich möchte trotzdem versuchen, mal zu antworten. Vielleicht ärgere ich mich dann ja auch nicht mehr so.

Dem  Anfang muss ich fast ein bisschen zustimmen “Das Netz hat mich zur  Feministin gemacht.” – wenn ich irgendwoher echt viel Input bekommen  habe, dann wars Twitter, all die wunderbaren Blogs, Feminist_innen die  dort unterwegs sind. Themen aufgreifen, diskutieren, problematisieren.

Das  eher konservative Weltbild der Autorin bzw deren politischen Ansichten  will ich auch gar nicht so sehr thematisieren – da habe ich glaube ich  einfach andere Meinungen und Ansichten.

Aber, worüber ich mich  wirklich geärgert habe: Der wirklich beleidigende Ton, der Menschen  nicht nur herabwürdigt nach dem Motto “Was ‘Ihr’ macht interessiert doch eh keine” und das aufmachen von dem wunderbaren “Echten Kampf um  Gerechtigkeit und Gleichberechtigung” vs “Die haben keine Ahnung von  ‘wahren’ Problemen und kommen nicht mit der Realität klar”

Das  drückt sich krönend nach einem wirklich krassen Passus in diesem Zitat “Viele vernünftige Frauen, die täglich mit wirkliche Problemen durch  Geschlechter-Ungerechtigkeit kämpfen, haben nicht die Kraft sich  irgendwelche Schreigefechte mit Gender-Studentinnen ohne Abschluß zu liefern” aus.

Herzlichen Glückwunsch. Die Debatte “richtiger vs falscher” Feminismus ist sehr neu und immer unglaublich gewinnbringend.

Ich werde Industriemechanikerin – keine Genderstudies Studentin – auch, wenn das eigentlich kein Kriterium sein sollte – ich fürchte aber, sonst hören mir weniger zu…. Nun, ja – das macht mich nich zu nem besseren  Menschen. Auch nicht zu ner “besseren” Feministin – aber ich schätze das  mit den wirklichen Problemen, kann mir selbst von dieser Autorin nicht  abgesprochen werden.

Mich verletzt es krass, wenn mir jemand komplett aberkennt mich um reale Probleme zu kümmern. Ich habe schon genug sexistischen Scheiß in der Ausbildung (und auch sonst) abbekommen –  und was ich an “dem Netzfminismus” so mag: Er bietet Raum um damit klar zu kommen. Um zu wissen – mir geht das nicht alleine so, dass es mir dreckig geht, wenn mein Klassenkamerad mit an den Arsch fasst. Er bietet Raum um mich wo wohl zu fühlen: ja Filterbubble. Großartige Filterbubble. Eine in der ich sowas nicht erleben muss und registriert wird, dass ich als bisexueller Mensch existiere, teilweise andere Ansprüche habe, aber eben zB auch den Wunsch nach Familie habe – irgendwann. Eine, die mir Denkanstösse gibt mit den Problemen auf Arbeit, in der Politik um zu gehen. Diese Filterbubble hilft mir dabei – und deswegen bewege ich mich in ihr.

Aber hier wird halt eben mal  aberkannt, dass dieser “Netzfeminismus” Feministische Politik betreibt. Hm – was, wenn nicht Probleme von Menschen aufgreiffen, Erfahrungen verarbeiten, Reflektieren und Diskurse/ Debatten über Dinge die einer  wichtig erscheinen in ner Perspektive auf Sexistische Strukturen, ist dann Feminismus?

Das was in dem Artikel gemacht wird würde ich größtenteils als “derailing” bezeichnen (nich im klassischen Sinner, aber vom Grundansatz her). Jap: Fremdwort. Manchmal passen  die einfach besser (und wenn ich auf der Arbeit sowas anspreche,  benutze ich auch andere 😉 Passenderweise gibts da nen Blog der das  besser beschreiben und erklären kann (wie gut, dass es “den  Netzfeminismus” gibt..) http://derailingfueranfaenger.wordpress.com/

Besonders  zu empfehlen sind der Passus “Hast du nichts wichtigeres, womit du dich  beschäftigen kannst?” – Nein ich möchte mich nicht damit beschäftigen, wie sich ne Mittelklasseperson mit Vorgarten fühlt – nicht meine Realität und “Du bist nicht intellektuell genug/ Du bist zu intellektuell!” – akademische Diskurse sind böse. Sie sind akademisch und gehn voll an allen Realitäten vorbei – ähm, ja. Nein. Stimmt, auf  der Arbeit müsste ich mit dem Wort “Hetenperformance” nicht ankommen –  umgekehrt muss ich in ner akademischen Debatte auch nicht mit “Yo, Lan?” Nachfragen. Das wäre komisch. Aber: unterschiedliche Realitäten werden immer existieren. Nicht eine davon ist die richtige (ich gendere übrigens Mails auf der Arbeit – und ja, ich glaube das bringt was).

Und  zu guter letzt “Der Netzfeminismus” hat nie gelernt sich als clevere Option darzustellen, dafür wird zuviel verurteilt und ausgelacht.” Genau das wird mit dem Text auch getan. Aber manchmal möchte man ja auch einfach mal über Dinge reden, die einen selbst stören und nicht immer direkt  “die clevere Alternative” sein.

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2 Responses to Ich, die Genderstudierende, die keine wirklichen Probleme hat….

  1. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Doofe Fragen, das echte Leben und rassistische Soße – die Blogschau

  2. so. es gab Kommentare zu dem Artikel …. aber dinge mit dem Tenor “du bist du scheiße” und “Männerhasserin” – werden nicht veröffentlicht.

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