Die Liebe zu Star Trek

Ich habe noch gar nicht darüber gebloggt, obwohl es mittlerweile einen ganz schön einprägsamen Teil in meinem Leben einnimmt: Star Trek. Wenn irgendwas in den letzten Jahren zu einem Tick von mir geworden ist, neben dem permanentem Suchen nach neuen Biersorten und Fußball, dann das schauen von Star Trek. Naja – und das Reden und Nachdenken darüber.

Ich bin eigentlich mit Star Wars aufgewachsen. Mein erster SciFi Kinofilm war Star Wars Episode 1 (ja die neue..) und mein großes Vorbild natürlich Obi Wan Kenobi und R2D2 und später Chewbacca und die Ewoks.

Ich finde Menschen die sich nicht anpassen, Dinge nicht einfach passieren lassen einfach großartig und vorallem fasziniert mich alles was mit Weltraum zu tun hat.

Deswegen bin ich dann auch mit auf astronomische Sommerlager gegangen, habe Per Anhalter durch die Galaxis gelesen und auch Star Wars zB in Buchform dann weiterverfolgt (ok – einen nicht geringen Anteil daran hatte wohl meine Familie).

Star Trek kannte ich nicht. Ich wüsste nicht mal wann es mir zum ersten mal begegnet ist – ich glaube bei der linksjugend solid. Zumindest ist das am wahrscheinlichsten.

Irgendwann habe ich dann mal durch Zufall den Film “Der Aufstand” in die Hände bekommen. Ich hab nicht alles verstanden von den Hintergründen, fands aber großartig. Vorallem die Rede von Captain Picard zu der Frage ob es einen Unterschied machen würde ob man 2 oder auch 1000 Menschen umsiedelt. Er beantwortet sie mit Nein. Und einfach macht er sich die Frage nicht.

Also taperte ich zur Star Trek Quelle meines Vertrauens.

Ein Mensch, der sich erst einmal Gedanken darüber machte, welche Serie ich nun als erste schauen müsste und natürlich nicht ohne entsprechende Rede zur Einführung über die Gedankenwelt Gene Roddenberrys und die oberste Direktive.

Seid dem habe ich “The next Generation” “Voyager” und einige Filme geschaut. Mittlerweile bin ich bei Deep Space 9. Seid 2 Jahren fast jeden Tag Star Trek.

An TNG hat mich vorallem die Perspektive, die auf Konflikte geworfen worden ist, fasziniert. Die oberste Direktive – das nicht Einmischungsgebot – wirft Konflikte auf, die auch bei heutigen politischen Kontroversen nicht unspannend sind, vorallem wenns um die Frage “Auslandseinsatz oder nicht” geht. Auch die Lösung für eine “Anti-kapitalistische” Gesellschaft: das Umwandeln von Energie in Materie. Gestört hat mich vorallem das Frauenbild. Emanzipiert für die damaligen Verhältnisse, denke ich, aber eben aus heutiger Sicht etwas anstrengend.

Umso mehr habe ich mich dann bei VOY über Captain Janeway, Commander Torres und die vielen anderen emanzipierten Charaktere gefreut. Deswegen habe ich DS9 auch erst mal übersprungen. Die ersten 3 Staffeln waren dann aber teilweise nicht so gut. Das pazifistische Grundprinzip war in Teilen flöten gegangen und wie mit dem internen Konflikt zwischen Maquis und Sternenflottenbesatzung umgegangen worden ist fand ich nicht immer cool. Aber dann kam 7/9. Großartig. Sehr großartig. Zu Beginn der 4. Staffel wird ihr Beginn auf der Voyager dargestellt. Da gibt es einen Monolog von ihr den ich nie vergessen werde, wo es um ihr Sein als Individum geht.

Das ist glaube ich auch ein weiterer Punkt, der an Star Trek so fasziniert. Die “besonderen” Figuren. Rollen und Wesen die allein durch ihre Anwesenheit und Existenz Fakten schaffen, an die sich eine Gesellschaft anpassen muss, weil ihre Existenz nicht einfach negiert werden kann. So zB Data (ein Android), 7/9, Worf (Klingone von Menschen aufgezogen), das MHD (ein Hologramm), Jadzia Dex (ein Symbiont mit mehreren Leben), Geordi (sowas wie Blind), Odo (ein Formwandler) uvm..

Ich denke, dass das einen sehr realen Ansatz hat. Auch einen politisch sehr sympathischen, der zB hinter so Aktionen wie “Kiss Ins” steckt. Sichtbarkeit schaffen oder auch einfach Realitäten durch Anwesenheit verändern. Viele Ansätze der momentanen integrativen  Schulen wurden unter anderem deswegen geschaffen, weil sich Einzelpersonen dafür eingesetzt haben, dass zB ihr Kind auf diese Gesamtschule kommt und nicht auf eine andere Förderschule und dardurch den Weg frei gemacht haben für andere, die nachgekommen sind.

Am Ende finde ich lässt Voyager wieder etwas nach, grade durch so nervige Sachen wie die Beziehung zwischen Paris und Torres.

Nun ja – jetzt zu DS9. Ich bin am Ende der 5 Staffel und kann grade nicht mehr so wirklich aufhören zu schaun.

Die ersten 2 Staffeln waren wie bei VOY eher mager und langweilig. Grade das Religöse interessiert mich so nun irgendwie gar nicht, nervt mich sogar fast

Aber: Der Konflikt zwischen den Maquis und der Föderation ist politisch unglaublich spannend. Auch wenn die Föderation sich wie der letzte militaristische Arsch benimmt. Von dem Bild der guten Föderation muss man sich da verabschieden.

Der Konflikt zwischen Bajoranern und Cardassianern  ist auch gut gemacht. Themen wie Schuld nach Kriegszeiten, Perspektiven und Probleme einer Gesellschaft die Jahrzente lang unterdrückt worden ist uvm.

Das beste aber an DS9 – das aufbrechen von konservativen Familien und Rollenkonstrukten.

Hauptfigur ist ein allein erziehender Vater, eine Bajoranerin sieht in einer Figur, die ein Cardassianer ist – also ehemaliger Besatzer – einen Ersatzvater, eine Symbiontin, die Früher mal ein Mann war, trifft ihre Ex-Frau und verliebt sich wieder in sie, genau in diese Frau/früher mal Mann verliebt sich dann der Klingone, eine Frau bekommt das Kind für ein anderes Paar – ganz viele verschiedene Familien und Beziehungsformen die nicht der monogamen heterosexuellen Norm unserer Gesellschaft entsprechen.

Star Trek schafft es über das Medium SciFi Dinge zu diskutieren, die alles andere als Alltagsfern sind, aber auf eine unglaublich subtile Art. In diesem Genre wirkt es dann eben nicht komisch, wenn sich diese 2 Frauen küssen und Lieben, obwohl die eine früher mal ein Mann war.

Wäre schön wenns mehr so Serien geben würde – oder einfach mal mehr Menschen Star Trek schaun würden 😉

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