Warum ich nicht unterzeichne…

28. November 2012

Es gibt den Aufruf „Ich fühl mich sicher“ https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/ ansich finde ich die Grundintension gut, richtig und wichtig, aber – ich fühle mich nicht immer „sicher“.

Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Ich glaube auch, dass das den Initiator_innen durchaus bewusst ist, dass es Probleme verschiedenster Art im Stadion gibt, sie aber wie üblich den Aufruf möglichst niedrigschwellig gehalten haben, damit möglichst viele Menschen sich beteiligen und das Hauptanliegen auch wirklich deutlich wird – nämlich wachsende Überwachung und Repression von Fußballfans zu problematisieren.

Grundkritik: Ich mag das Wort „sicher“ nicht. Ist bei mir einfach negativ belegt. Ist aber ein persöhnliches empfinden, da für mich der Sicherheitsbegriff immer mit Einschränkungen meines Lebens in Zusammenhang stand. Ich denke diese Kampange versucht den Sicherheitsbegriff auch wieder positiver zu besetzten, aber ich weiß nicht ob ich das so gut finde. Wäre aber nochmal ein extra Text.

Zum ersten Punkt

Gestern waren eine Freundin und ich bei Frankfurt gegen Mainz. Abgesehn davon, dass die Eintracht das halt auch einfach versaut hat, gab es nen anderen Punkt, der wirklich genervt hat. Weil das Spiel nicht so gut lief sind ständig Leute hoch und runter glaufen. Das hat genervt. Es ist eng, wir standen an der Treppe. So weit – so blöd, passiert. Nun nutzen aber nicht nur eine sondern gleich mehrere Personen den Hintern und die Hüften meiner Freundin als Stütze. „Oh, sorry keine Absicht“ Sowas ist leider nicht zum ersten mal passiert und es passiert komischerweise meiner Erfahrung nach Frauen* die jünger sind und etwas figurbetontere Kleidung und keine männliche Begleitung haben. Bei mir machen sie das nicht. Da wird sich mal am Arm festgehalten oder dreister dran vorbeigequetscht, aber ich bin halt 1,84m groß und mit meiner Schwarzen Engelbert Strauss Jacke etwas breiter und gar nicht figurbetont angezogen. Meine Freundin schon. Das scheint zu reichen. Und das macht einem den Stadionbesuch wirklich madig. Ich liebe Fußball. Ich liebe die Atmosphäre im Stadion – aber es ist und bleibt ein Raum, in dem eigentlich nur „stereotype Mänlichkeit“ Respekt und Achtung erfährt. Hart, laut, mit viel nüchternem Fachwissen oder agressiven Emotionen – sei anders und du wirst sehr komisch angeschaut. Ich glaube Fußballfankultur geht auch anders – ein Freund und ich haben das mal in nem anderen Kontext zusammengefasst unter „Proll sein, aber feministisch“ (dazu muss ich eigentlich dringend auch nochmal was schreiben… ;)

Zum zweiten Punkt

Wieder ein konkretes Beispiel aus dem Spiel Frankfurt Mainz. Der Fangesang „Verreck, verreck – Mainzer Dreck“ -> what else need to be said? Ich schimpfe im Stadion, Ich rege mich auf, Ich kann die Gegner_innen nicht leiden – aber den Tod wünschen? Für den Hertha Fan der demletzt halb erwürgt worden ist, ist das fast zur Realität geworden. Ich will nicht sagen, dass alle Menschen die sowas rufen gewalttätig werden, aber ich finde jemandem den Tod zu wünschen geht einfach zu weit und überschreitet jegliche Grenzen. Es schafft eine Stimmung die unangenehm ist. Ja da bin ich komisch moralisch, aber ich fühle mich bei solchen Gesängen nicht wohl, nicht „sicher“. Wenn jemand sowas rotgesichtig und lauthals neben mir mit erhobener Faust schreit bekomme ich Gänsehaut, und das nicht aus nem Wohlgefühl heraus.

Wurde von meiner Twittertimeline noch an was anderes erinnert: Ganz im Ernst – das was teilweise an Hetzjagden auf Spieler* läuft. Abartig. Grade mit Occean. Anderes Beispiel Pezzoni (natürlich nochmal ne andere Kategorie als Occean). Kritik ja. Nicht mögen- ja. Aber bedrohend und massiv diskriminieren durch lächerlich machen, beschimpfen etc. Geht gar nicht. Seien wir ehrlich – der Spieler der noch aus Liebe beim Verein bleibt ist selten (siehe auch Neuer) – es sind Söldner. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen Occean zu fragen, ob es sich grade wohl und sicher auf dem Spielfeld fühlt?
Zu dem Thema kann ich übrigens nur hr2 der Tag unter dem Motto „bedroht, gejagt, verprügelt – Fußballer als Freiwlid“ empfehlen. http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=14224&key=standard_podcasting_derTag&mediakey=podcast/derTag/derTag_20120907&type=a

Natürlich – ich müsste nicht zum Fußball gehen. Ich könnte so vieles lassen was mir Spaß macht. Aber ich will nicht.
Ich unterzeichne dann halt eben auch solche Aufrufe nicht, weil sie mein Gefühl und mein Erlebnis im Stadion nicht wiederspiegeln. Ich übe Kritik, ich hoffe, dass sie zum nachdenken anregt. Diskutiere viel mit Leuten über das Thema, weils mir wichtig ist. Und am wichtigsten ist, dass es die coole arbeit von verschiedensten Projekten (vor allem zum Thema Antira und Homphobie) gibt und da auch nochmal ein Stück weit was passiert.

 

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One Response to Warum ich nicht unterzeichne…

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