Fußball und Frauen und Frauenfußball und….

11. Dezember 2012

… über die Gedanken und Überlegungen die ich als Fußballfan, politischer Mensch und Frau™ so habe…

Ich bin momentan wieder richtig im Fußballfieber. Von mir aus könnte ich grade jeden Tag im Stadion sein, in der Fußballkneipe sitzen oder am Spielfeldrand stehen.
Ok, spielen traue ich mich nicht mehr. Ich war schon immer schlecht und mittlerweile treffe ich wahrscheinlich den Ball nicht mal mehr. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich habe letzte Woche nach dem Mainz-Spiel schon über das Thema Frauen* und Fußball in Bezug auf die „Ich fühl mich sicher Kampange“ geschrieben

Seitdem habe ich mir viele Gedanken gemacht … Warum schaue ich eigentlich Männer- und kein Frauenfußball? Auch wenn ich grade im Stadion und aussenrum nicht immer coole Erlebnisse hatte…
Warum schaue ich Dokumentationen wie “Rebellen am Ball“ oder auch Filme, obwohl Frauen* eigentlich wenn überhaupt dann nur als Randfiguren auftauchen, so als ob sie gesellschaftlich nicht existieren würden?
Was gäbe es für Ansätze da was zu ändern?

Also. Warum gehe ich zu Eintracht- und manchmal sogar zu FSV- oder Tus Makkabi- (ok das ist länger her) Spielen, aber war noch nie auf einem einzigen vom FFC?

Ganz ehrlich? Ich finde Frauenfußball furchtbar. Die spielen einfach nicht, wie ich das gewohnt bin. Und woran bin ich gewöhnt? – An Männerfußball.
Eigentlich paradox – ich habe ja selbst zwei Jahre lang gespielt und mir hat es richtig viel Spaß gemacht. Bei dem einen Mädel hoffe ich, dass sie nochmal in einen besseren Verein gewechselt ist. Die war verdammt gut. Aber es ist egal, dass sie gut ist. Ernstgenommen worden sind wir an meiner alten Schule in Gelnhausen nicht. Es fand sich am Gymnasium nicht mal eine Lehrkraft die uns trainierte. Deswegen war es dann eine AG aus Realschule und Gymnasium – da gabs nämlich deutlich mehr Interessentinnen* und auch eine wirklich coole Lehrerin.
Wir haben trainiert, es hat Spaß gemacht. Aber irgendwie, wirklich gut sind wir nicht geworden. Den Ehrgeiz mehr zu trainieren hatten die wenigsten und die dummen Sprüche aussenrum taten ihr übriges.
Ich weiß gar nicht mehr, wie sich das alles aufgelöst hat. Ich durfte aus gesundheitlichen Gründen irgendwann nicht mehr und habe es auch nicht mehr weiter verfolgt.

Um mich rum ansonsten – die guten Fußballer_innen waren die Jungs – Mädchen konnten es nicht, und wenn doch, waren es „Mannsweiber“ – Ausnahmen. Aber hey einfach mal zugeben, dass es halt einfach Frauen* gibt die Fußball spielen können…wäre ja zu leicht.

Als Zuschauerin war ich beim Fußball zum erstenmal mit 11/12 – meine Freundinnen vom Dorf wollten den Jungs zuschauen, hat dazu gehört, irgendwer war grade in irgendwen verliebt, es war ein Event im Dorf – jede_r ging hin. Frauenfußballmannschaften gab es da schon gar keine mehr (da habe ich später in Dauborn netterweise das Gegenteil kennengelernt :) ). Mein erstes Mal im Stadion war ich, glaube ich, mit meiner besten Freundin. Waren wir 17/18 oder so. Ich habs ab dem ersten Moment geliebt – und jetzt gehe ich mal mehr mal weniger häufig ins Stadion, beschäftige mich viel mit dem aussenrum und freue mich immer, wenn ich auf Gleichgesinnte treffe.  Aber im Endeffekt – ich beschäftige mich mit einer Domäne in der mein Geschlecht so gut wie nicht vorkommt, nichts zu sagen hat (glaube in einem Aufsichtsrat bzw Vorstand is ne Frau?) und ich mit meinen Gedanken bzgl. Feminismus immer an meine Grenzen stosse, weil hey – es ist Fußball nicht Politik (extra Thema zu dem schon viel spannendes geschrieben worden ist).

Ich glaube der Grund warum ich Männerfußball schaue ist schlicht und einfach der, dass ich damit aufgewachsen bin und einen Bereich in meinem Leben haben will wo ich mein Hirn ausschalten, feiern, guten Sport (ok die Eintracht versaut es halt manchmal auch kräftig) sehen will und einmal alle Sorgen des Alltags rausschmeissen kann und in einer Menge verschwinden kann. Aber eben das wird einem durch so Erlebnisse wie das letzte Mal versaut.

Ich glaube aber auch, dass sowas wie die Kampange zur Frauenfußball-WM nichts bringt. Zumindest nicht so wie sie gestaltet worden ist. Im Prinzip wurde die WM gehyped, weil erwartet worden ist, dass „endlich mal ein Titel geholt wird“. Die ganze Kampagne war darauf ausgelegt, dass eigentlich der Frauenfußball nur verlieren konnte – da das Team vorher ständig gewonnen hatte wäre ein weiterer Sieg nichts besonderes gewesen. Nun ja sie haben verloren – wieder ein Zeichen dafür, dass sie eben doch nicht so gut sind – und das auch noch im Vergleich mit Frauen* und nicht mit Männern*. Guten Artikel dazu gibt es hier (dort wird die Kampange auch ein wenig beschrieben)

Zu den Filmen. Ich habe grade mal wieder Rebellen am Ball geschaut. Die Doku ist einfach so unglaublich gut. Aber es ist eine Dokumentation die eben rein von Männern handelt. Männern, die in die Position gekommen sind politisch handeln zu können und dadurch viel bewegen können. Es sind beeindruckende Geschichten. Aber – gibt es irgendwas wo Frauen* überhaupt die Chance dazu haben so die Massen zu begeistern und dann noch Politik zu machen? Es sei denn sie sind Prinzessin und gerade schwanger?

Hm. das ist nun mal so. Aber muss es so bleiben und sollte es so bleiben? Ich bin nicht Feministin, weil ich Macht will. Ich bin Feministin, weil ich mir wünsche, dass Menschen ihre Bedürfnisse, Neigungen, Ideen, Talente ausleben, lieben und teilen dürfen. Das ist aber z.B. bei Frauen* die Bock auf Fußball haben nicht so. Sie dürfen mittlerweile spielen. Es gibt mittlerweile Ligen und landesweite Spiele, aber Geld verdienen damit dauerhaft? Wenn man sieht wo beim Männerfußball die Ebene anfängt wo es schon Geld dafür gibt… eigentlich kann darüber nur der Kopf geschüttelt werden. Der Punkt ist, wenn man als junges Mädchen* sieht, dass man niemals das gleiche erreichen kann wie Männer* – entweder du hast enormen Kampfgeist und versuchst es trotzdem oder du orientierst dich irgendwann anders.

Was bei mir irgendwann in den ganzen Überlegungen kam – warum gibt es eigentlich getrennte Teams? Beim Basketball haben wir bis zur d-Jugend gemeinsam gespielt. Die Jungs* waren nicht zwangsweise besser als die Mädchen* (ich war halt auch verdammt gut ;) ) und als wir dann in der c-Jugend waren haben wir nur noch verloren. Das lag auch daran, dass wir nur noch zu sechst waren – der Rest des Teams waren Jungs*. Macht mal ein Basketballtunier mit nur sechs Leuten – du hälst es durch, aber hast keine Chance.

Der Artikel hier hat mich da zum Nachdenken gebracht. Warum müssen wir geschlechtergetrennte Teams haben? Doch nur wenn wir davon ausgehen, dass schon in so jungem alter biologisch gesehn so krasse Leistungsunterschiede sind, dass ein zusammen trainieren unmöglich wird. Daran glaube ich aber nicht 1. weil ich glaube das grade heterogene Gruppen sich gegenseitig zu nem guten Team machen und 2. weil ich glaube das die heterogenität nicht aus dem Geschlecht, sondern aus der unterschiedlichkeit der Charaktere und Menschen entsteht. Ich hab die ersten zwei Jahre einer Erzieher_innen Ausbildung (Sozialassistentin) gemacht und weiß wie da der Umgang mit Jungen und Mädchen gelehrt wird – „Wenn ein Junge nur drinnnen sitzt und malt muss was nicht stimmen – animiert ihn doch mal raus zu gehen und zu toben“ etc. Ich glaube, wenn von früh an versucht werden würde den Mensch, Mensch sein zu lassen und nicht ab der ersten Minute an auf Geschlechter, Rollen und die damit verknüpften Erwartungshaltungen zu polen, würde unsere Welt wahrscheinlich wesentlich bunter und vielfältiger aussehen. Ich wäre vielleicht nicht mehr der komische Kauz, weil ich Sissi und Fußball mag und das eine eben weiblich und das andere eben männlich konnontiert wäre, sondern es wäre in Ordnung, dass Menschen unterschiedlichste Dinge mögen die eben nicht zu einer gewissen Rolle gehören…

Ja es gibt kein Fazit. Keine Große Erkenntnis. Gedanken eben ;)

 

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