Bier in Kaliningrad

Kaliningrad – Hauptstadt der an der baltischen See liegenden Exklave von Russland. Sehr schöne Stadt und wer auf preussischen Kitsch steht, sollte dort auf jedenfall mal vorbei gehen.

Nun aber zum Bier. Auch in Russland gibt’s ne Craftbierszene, dort durfte auch tatsächlich jede_r ziemlich ungestört bis Beginn 2016 brauen – wie das jetzt die neue Gesetzeslage hergibt, weiß ich leider nicht genau, aber ein Kollege meinte:“Spätestens aufm Land interessiert das eh keinen, da ham se schon immer Bier gebraut und werdens auch weiter tun“

Dazu muss man sagen: Kaliningrad ist trotzdem etwas anders. All meine russichen Freunde haben mir auch mehrmals erzählt, dass Kaliningrad nicht wirklich mit dem Rest Russlands zu vergleichen ist. So ist der Carftbiertrend, auch noch nicht so richtig übergeschwappt und wirkliche „Bier Locations“ zum niederlassen und trinken habe ich nur 3 gefunden. Alle 3 leider nicht so recht zu Empfehlen. Der Queenspub hat 16 Biere zur Auswahl – Englisch, Deutsch, Litauisch und Russisch, aber alle sehr „gewöhnlich“ und von größeren Marken. Ins Labeerynt habe ich es leider nicht geschafft, aber die Kritiken klangen ähnlich und das 3. ist das Zötler. Hier wird „deutsches Bier und Essen“ verkauft. Das Essen ist nur leider nicht wirklich gut – das Bier ist solide. Aber eher ein Biergartenklassiker als etwas für Leute, die auch gern mal Abwechslung mögen.

Aber: Es gibt Kwas. Probiert es. Wird fast überall verkauft, häufig auch an kleinen Ständen an der Strasse – der Brottrunk ist süßlicher als Bier, aber lecker und erfrischend.

Und es gibt das Bierhaus (Prospekt Mira 116). Ein von Ponarth betriebener Laden, der 4 Kühlschränke voll mit einer guten Bierauswahl halt – Craftbiere aus der ganzen Welt – und wo man Bier vom Hahn mitnehmen kann. Mer wählt eins der 18 aus und kann das dann frisch gezapft in 1l-2l Flaschen mitnehmen. Dazu wird noch geräucherter Fisch verkauft – das Geschäftskonzept hätte ich gerne mal in Deutschland.

Nun zum Bier: Ich habe Biere von Victory Art Brew aus Moskau, Jaws Brewery aus der Nähe von Jekaterinburg und von Ponarth – ein Stadtteil von Kaliningrad. Ob Ponarth allerdings zur Brauerei Ostmark gehört, eigenständig ist oder nicht konnte ich leider nicht feststellen. Zumindest gibt es in Ponarth eine Brautradition seid 1849 und die Biersorten die sie heute produzieren sind alles andere als traditionell. Vom Dunklen, übers Rote und zum IPA und Pumpkin Ale ist alles dabei. Von Jaws waren mir die Biere teilweise etwas zu flach, aber ansonsten waren ausnahmslos alle Biere gut und grade das IPA von Ponarth und das Gose Thaiberia von Jaws würde ich auf jedenfall weiterempefehlen. Dazu noch Sonnenblumenkerne knappern, ab und an ein Stück Räucherfisch und mit Freunden zusammen sitzen: perfekter Abend.

Also: Auch in Kaliningrad gibt’s gutes Bier und die großen Brauereien – Ponarth und Ostmark – dort haben auch eine spannende Geschichte. Allerdings lohnt sich eine Reise nur für das Bier wohl eher nicht.

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32c3 Nachschaun.

Hier nochmal meine 32c3 Nachschauempfehlungen als Ergänzung vom #wmfra Vortrag.

My Robot Will Crush You With Its Soft Delicate Hands! – großartiger Titel. Ich mag Vorträge die neugierig machen und wo Leute einfach in Richtungen denken, in die ich vorher noch nicht gedacht habe. Das ist so einer. Ein kleiner Einblick in die “Soft Robotics”- Roboter mit wobbeligen Dingen. 

What does Big Brother see, while he is watching? – eher ein Kunst Vortrag. Untertitel: “uncovering images from the Stasi archives”. Ein Fotograf hat sich mal durch die Stasiarchive gewühlt und geschaut – was für eine Relevanz hat das heute noch, in Bezug auf Wahrnehmung und der Erzeugung von Angst . Eine sehr angenehme und spannende herangehensweise an das Thema, wo mer auch lange nach dem Vortrag noch drüber nachdenken kann. Im Prinzip kann mer sagen – er hat Überwachung verbildlicht und in einen wichtigen Kontext gesetzt. 

Profiling (In)justice – Disaggregating Data by Race and Ethnicity to Curb Discriminatory Policing. Meiner Meinung nach ein unglaublich wichtiger Vortrag. Einfach weil er gut darstellt: Daten und Datenerhebung sind immer politisch. Hier im Kontext von racial profiling im Vergleich Deutschland und UK. 

3D printing on the moon – The future of space exploration. Menschen die an einem Wettbewerb teilnehmen stellen ihr Projekt vor, mit Überlegungen, wie man eigentlich auf dem Mond 3 D Drucken könnte. 

Quantenphysik und Kosmologie – Mal ein Vortrag auf deutsch. Sehr Basic aber wie ein großes Geschichtsbuch. Kann mer auch nebenbei beim Kochen hören – obwohls auch einfach Spaß macht dem Referenten zu zu schaun. Keine Powerpoint- nur Mensch. Einer der von den wundern der Wissenschaft erzählt. Den Vortrag schau ich mir noch ein paar mal an… 

Maritime Robotics – Roboter und Wasser – spannende Thematik. Denkweise wo ich sonst noch nich druüber nachgedacht hab. Also ähnlich wie beim ersten. 

Dinge die ich selbst noch nicht gesehn habe, aber schauen werde:


 

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Lieblingsrapper_innen

Mal wieder ne Musikliste. Einfach weil ich tatsächlich ne Menge Menschen kenn, die so gut wie gar keine Rapper_innen kennen, die nich männlich sind.  Und das ist ein ganz kleines bisschen tragisch, weils wirklich gute gibt.

 

Meine große Liebe im HipHop ist seid ca nem Jahr Reverie. Bei Liedern wie “On the the Road” , “Nothing to say”, oder “Give it time” schmelz ich weg. Technisch richtig gut, inhaltlich manchmal ein wenig depressiv, aber gleichzeitig auch richtig gute Laune machend. Sie war jetzt auch auf Europtour, aber nicht in meiner Nähe (sie kommt aus der USA). Aber das ist definitiv ein Lebensziel: einmal Live Reverie.

 

Dann eine schon längere Liebe. Roxxxan. Gefunden über das Lied “Female Takeover” (richtig großartiger Beat und ne geniale Kombo von vielen großartigen UK Rapper_innen).

Das erste Lied bei dem ich hängen geblieben bin: “Too fucking fastey” – eweng minimalistischer, aber richtig schön zum gute Laune durch die Gegend wippen und ein wenig ‘agressiver’. So sind sehr viele ihrer Lieder. Ich mag zB noch “Power”“Heavyweight” und “Guerilla”.

 

Dann: Angel Haze. Nochmal wieder anderer Stil. Auch eher schnell und kraftvoll wie Roxxxan, aber sehr andere Stimme und nich so klassischer HipHop. Sie hatte mich bei “Werkin Girls” und verliebt war ich bei dem Video von “No bueno“. Zum Feiern noch sehr schön sind “Gossip Folks” und “A tribe called red“.

 

And now for something completely different: MC Melodee. Eher oldschool lastige, softere Rapperin aus Dänemark. Aber sehr sehr gut. Als Sommer – gute Laune Lied empfehle ich gerne “Disco Dip”, aber auch sie kann etwas roher mit zB “Spectecular” . Einfach Alben besorgen und anhören. Klassische Musik, die mer auch beim gemütlichen Zusammensitzen hören kann (“Exhale” – auch noch wunderschön). Entdeckt hab ich sie übrigens ober die FAM Kollaboration mit dem Lied “Rock with it” und “Dam Dutchess”.

Die Stimme an der sich Geister scheiden: Lady Leshurr. Ich mag sie, aber quitschig isset schon. Sie is eine begnadete Freestylerin. Einfach mal die “Queens Speech” Reihe durchhören. Allgemein halt eher agressiver Rap Style – ich liebe es. Großartig is zB “Dam City” mit Paigey Cakey zusammen. Die beiden in Kombination sind einfach hervorragend “Clique”. Apropos Paigey Cakey – von ihr alle bitte einmal “Same way” anhören.

 

M.I.A. ist eigentlich schon etwas berühmter. War glaube schon mal bei den MTV Video Awards und is politisch auch – naja – mir nich unbedingt immer sympatisch. Aber “Bad Girls” ist eingroßartiges Lied zum feiern.  Nich sehr klassischer Hip Hop und gerne auch mal Einflüsse aus der dance/orientalischen Richtung  wie bei “Bring the Noiz” oder einfach ein bisschen wahnsinnig wie bei “Bucky done gun” – aber sowas mag ich ja sehr gerne.

 

Wo ich in meinem Repertoir wirklich ein Defizit sehe: Deutschrap. Pilz is ganz gut, aber so viel is da noch nich und sie is mir teilweise einfach zu grenzwertig. Sookee und Fiva sind ja ganz nett, aber nicht immer mein Stil, ESMaticx fand ich nur im VBMT gut und Schwester Ewa. Naja – is Schwester Ewa. Dina Rae is qualitativ eher mäh, Nina MC hat (soweit ich das gesehn hab) nie wieder was neues gemacht nach “Doppel X Chromosom”. Habt ihr da Empfehlungen?

 

 

 

 

 

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Biermesse in Mainz – Tag 1

Dieses Wochenende ist Biermesse in Mainz.

Von Frankfurt aus inner Stunde da – ich also natürlich Freitag Abend aufm Weg dahin.

Die Lokhalle is mit Bus und Straßenbahn leicht zu erreichen und nach den ersten Orientierungsschwierigkeiten wegen der Baustelle findet mer die Halle auch recht leicht.

Im Gegensatz zu Frankfurt ist die Halle viel kleiner, es gibt kein Streetfood Areal (tatsächlich empfiehlt es sich vorher was zu essen, die Essensauswahl ist nämlich nicht sehr ergiebig – beglische Waffeln und Crepes, Schnittchen und Currywurst – und sehr teuer) und der Eintritt kostet das Doppelte. 10€ + 5€ Pfand fürs Glas.

Der erste Eindruck war auf mich eher ungemütlich und dann mussten wir auch noch Pfandchips umtauschen. Sowas mag ich ja nicht sonderlich – wo ist das Problem dran einfach zu bezahlen? Aber nun ja.

Als wir ankamen wars dann auch schon recht voll. Ich war kurz davor einfach direkt wieder zu gehn. Aber: auf den ersten Blick kannte ich fast keine der Brauereien. Ok. Ich muss bleiben.

 

Zur Bierauswahl: Im Vergleich zu Frankfurt – besser. Hier ist die Liste.

Wesentlich mehr Regionale und kleine Brauerein, vorallem nich nur “hauptsache IPA” sondern auch einfach gute Brauerein, wie HachenburgerRheinhessen Bräu und Brauwerk – und: das auch noch vom Fass. Jetzt könnte mer den Organisator_innen von der Craft- Frankfurt zu gute halten, dass allein in Mainz ja schon mehr Brauereien existieren – aber ganz ehrlich: Frankfurt/Mainz ist keinerlei relevante Entfernung.  Was mer vorallem daran merkt: der Bier-Hannes aus Frankfurt war da. Ich hab natürlich gefragt warum in Mainz und nicht in Frankfurt. Der Mensch hat mir nur sehr grumpelig geantwortet “Zu spät gefragt”. Aber mehr war von ihm nich zu erfahren.

Nun ja. Also auf zum Bier. Wir haben das Pale Ale und IPA von der Wiesbadener Braumanufaktur, das Kiwi-Ale und Insane Ale von Hops Brewing, das Ingwer Bier von Starkes Gebräu, das Summer-Ale vom Bier-Hannes, das Mystique IPA von Kühn Kunz Rosen und das Pils von Hachenburger.

Welche Brauerei bei mir einen Nachhaltigen eindruck hinterlassen hat ist Hops Brewing. Sehr nette Menschen und wirklich gutes Bier – leider eins der teuersten. Im Gegensatz zu Frankfurt funktioniert das mit “Probe 100ml für 1 €” Prinzip nicht. Und das Kiwi Ale kostet als Probe dann schon 2€. Allerdings wars auch ne großzügige Probe. Wenn ihr mal die Chance bekommt – trinken.

Die Wiesbadener Braumanufaktur hat solide Biere – am besten fand ich das Pale Ale – gut, lecker, eher ein Alltagsbier. Das Ingwer-Bier von Starkes Gebräu war gar nicht meins – aber ich steh auch nicht auf Ingwer Bier. Mein Kumpel war aber ziemlich begeistert, weils seiner Aussage nach “Wie ein Radler, nur nicht so süß und Bieriger” geschmeckt hat. Er fands fast das beste Bier des Abends. Das Summer Ale vom Bierhannes war auch gut – und hatte den Namen vom Geruch her defintiv verdient. Sein No.3 finde ich aber besser. Das Mystique von Kühn Kunz Rosen ist ein sehr allgemein bekömmliches IPA, was aber trotzdem recht stark im Geschmack ist – das empfehle ich immer Menschen die Neugierig sind, aber es nicht zu extrem mögen. Das Hachenburger Pils war nicht zuletzt einfach ein gutes Pils. Da werde ich wohl noch ein bisschen was mitnehmen, für Freund_innen die das lieber mögen.

 

Ansonsten gabs natürlich wieder die “Rund ums Bier” Stände. Cool fand ich den Bierzauberer Stand – es gibt Bier Romane. Da ich bei meiner Stiefmutter im Buchladen eh mal nen Bierabend mitorganisieren wollte, werde ich mir da defintiv mal eins von kaufen. Ich bin dann noch länger bei Metzler Braunanlagen hängen geblieben.  Sie hatten eine Abfüllanlage da stehen und als Mechanikerin kann ich da ja nich anders- sie machen Kleinbrauanlagen von 25l-500l. Würd mich ja interessieren, ob sie damit auf dauer tatsächlich genug verdienen.

 

Also: trotz eines ersten eher negativen Eindrucks und meines erachtens teilweise zu hohen Preisen wars ein schöner und spannender Abend – ich geh heute wieder hin.

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Dinge heben. Für Männer und Frauen und Einhörner.

Frauen sind schwach. Männer sind stark.

Das ist eine goldene Regel.

Szene aus der Hüft/Bein Therapie in der Reha:

Ich greife nach der obersten Matte. Eine blaue etwas größere. Schliesslich bin ich groß.

„Nein, bitte nehmen Sie sich eine von den Roten. Die Herren: Bitte nehmen sie doch alle einmal eine blaue Matte, die sind schwerer.“

Ich lasse die blaue Matte liegen. Gehe auf meinen Platz zurück und schaue zu wie ‘die starken Männer’ sich ihre Matten holen. Ein humpelnder kleinerer Mitte-50ger, ein gebeugter und humpelnder langer, sehr schmaler … alle sind sie hier weil sie Probleme haben. Bei den beiden weiß ich auch welche. Ich weiß, dass grade ersterer viele Probleme mit Heben und überhaupt Bücken hat.

Alle Menschen die in Reha gehen haben körperliche Probleme. Ansonsten wären sie nicht hier. Bei mir isses halt nicht so mega dramatisch und ich hab durch meine Vorgeschichte mit vielen Dingen – wie zB Rückengerechtem Anheben von Dingen – eigentlich wenige, bis gar keine Probleme.

Trotzdem muss der wesentlich beeinträchigtere Kollege die schwere Matte nehmen und ich soll sie nicht nehmen.

Da geht’s gefühlt nur um 500g (was es lächerlich genug macht) – aber es geht noch extremer.

Ein Vortrag zum Thema Heben und Arbeitsplatzgestaltung. Da gibt’s dann ne Schicke Tabelle, welche Gewichte maximal wann wie oft getragen/gehoben werden sollten.

Bei <5% steht da bei Männern 55kg und bei Frauen 15kg.

Ganz im Ernst: 55kg heben is immer scheiße. Und wer nen fiesen Bandscheibenvorfall hat kann auch die 15kg nich ohne Schmerzen heben. Aber: wir Teilen nicht ein nach Können oder nicht Können, sondern nach männlich und weiblich. Ich finds absurd.

Frauen werden auf dieser Ebene halt voll entmündigt. Das zarte schwache Geschlecht, was mer immer beschützen muss und sich bloß nicht überlasten sollte und bei Männern werden teilweise absurde Ansprüche gestellt, so dass mer sich nich wundert, dass der Rücken dann kaputt is, oder zB sich jemand nicht traut zu erzählen, dass mer Schmerzen hat – weil als Manntm mus mer das ja können.

Jetzt kommt der Lieblingseinwurf einer Freundin von mir – sie ist Rettungsassistentin. „Frauen und Männer sind aber doch körperlich unterschiedlich“ – das sind Menschen immer. Und im Rettungsdienst kann ich verstehen, dass mer gewisse Kategorisierungen braucht um sich zB wegen der Dosierung von Medikamenten nen Orientierungspunkt zu haben. Ob das jetzt männlich/weiblich sein sollte/muss is dann nochmal was anderes, aber nun ja. Trotzdem muss mer bei nem Notfall ja noch schaun, wer da eigentlich vor einem liegt und es dann anpassen.

Bei der Reha – zumindest so wie ich es erlebt habe – macht es aber absolut keinen Sinn.

Da ist ein Raum voll mit ca 15 Patient_innen. Alle haben Gebrechen. Die Therapeut_innen wissen bei den wenigstens warum sie sich im Raum befinden. Da sollte mer doch zB einfach sagen – wer fitter is machts so, alle anderes könnens so machen.

Die Tabelle mit den 55kg und den 15kg hat dann auch im Alltag – der Realität – einfach keinerlei Relevanz. Ich hab in der Pflege mit großteils weiblichen Kolleg_innen gearbeitet – der Patient hatte 100kg und dann musste der halt auch mobilisiert werden. Und jetzt in der Produktion hab ich für jeden Scheiß Hilfsmittel und Kräne und muss eigentlich nie mehr als 15kg heben – da habe ich nur männliche Kollegen.

Auf der anderen Seite: in der Pflege wurde dann aber auch ab und an nach „den starken Männern“ (wenn dann mal welche da waren) gerufen. Was ich dann häufig nich verstanden hab, weil die Mädels das in der Regel ganz gut selbst hinbekommen haben, wenn keine Männer da waren. Ausserdem: warum sollten sich Männer mehr den Rücken ruinieren als Frauen? Wollen wir nich lieber drüber reden, wie mer Arbeit so gestalten kann, dass sich niemand mehr den Rücken kaputt machen muss?

Zum Schluss noch: Wenn einem Mädchen ein Leben lang erzählt wird „Das is zu schwer für dich. Mach das mal nich. Lass das mal den Jungen machen.“

Was hat das wohl für Auswirkungen?

Um mich nicht mehr so über die Leute in der Reha zu ärgern, blende ich die Phrasen in meinem Kopf einfach immer aus und ersetze Geschlechtsbezeichnungen durch das Wort Einhörner. Aber auf Dauer wärs mir ja lieber, wenn das nich mehr nötig wäre…

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„Oh, sehr glanzfeine Optik…“

vom Reden über Bier.

Ich mag ja Bier. Achtung Hype Wort: Craft-Bier. Wie schon ein paar mal erklärt. Grob heißt das so viel wie „handwerklich hergestellt“. Was ich daran mag: Das Bierbrauer_innen endlich wieder anfangen zu experimentieren. Das ich Abends weg gehen kann und mir nicht das ewig gleiche geschmackstote Becks vorgesetzt wird, sondern ich tatsächlich ab und an Auswahl von leckeren Biersorten habe. Welche, die nicht nur aus der Flasche und auf 6°C runtergekühlt schmecken, weil mer dann nichts mehr vom Geschmack mitbekommt.

Und wenn ihr Biertrinker_innen seid, die sagen die meisten Biere dieser „Carft-Bier-Szene“ schmecken ja gar nicht nach Bier: doch. Viel eher als die Plörre die mer beim Fußball trinkt. Industrielle Bierherstellung gibt’s nämlich erst seid ca 1950 – dh vorher hat Bier einfach komplett anders geschmeckt. Bis Mitte des 19Jh war zB jedes Bier eigentlich ein Rauchbier, weil das Malz mit Holz geröstet wurde. Das hat sich erst durch die Verwendung von Koks verändert. (Ja, die Darstellung ist verkürzt – wäre ein eigener Artikel)

Wenn jetzt hoffentlich ein kleiner Teil der Vorurteile weg ist, können wir uns mit dem Beschäftigen, worums hier im Text gehen soll. Die Sprache.

Die Sprache um Bier zu beschreiben.

Ich kannte das früher nur von Weinverkostungen und hab mich dann immer mit meinem Lieblings-Helge-Schneider Zitat drüber lustig gemacht: „Oh ja, der Wein mundet gar Rhombenförmig:“

Sprache um Genussmittel zu beschreiben klingt meistens unglaublich abgehoben und Etepetete. Beim Wein hat das meines Erachtens tatsächlich bei vielen Menschen auch damit zu tun, sich ab zu heben. Wein für die Menschen mit Stil, Bier für den Pöbel. Aber – wie immer gilt – nicht alle sind so. Meine Stiefmutter ist Weinhändlerin. Mit Leib und Seele. Da wird verkostet nach – schmeckt/schmeckt net. Natürlich ist sie geschulter was Geschmäcker betrifft, aber bei uns auf den Verkostungen wurde nicht „abgehoben geredet“. Was einen Grund hatte: Meine Stiefmutter, war neben ihrer Kollegin die einzige mit Ahnung. Wenn mein Vater, ich, die beste Freundin dabei saßen – wir haben den Geschmack halt beschrieben wie uns der Schnabel gewachsen war. Aber manchmal wäre es wirklich praktisch gewesen gleiche Begriffe zu haben, für etwas was mer beschreiben will.

Kommen wir zu meiner Hauptaussage: wenn du von etwas Ahnung hast brauchst du Begriffe um es zu beschreiben. Vergleichend zu beschreiben. So zu beschreiben, dass Leute mit Ahnung auch wissen was gemeint ist. Und so hat jede Sparte die eigene Sprache.

Wenn ich meinem Kollegen sage, dass er mir mal das Endmaß oder die Schieblehr geben soll, weiß er Bescheid. Handwerklich interessierte Menschen auch noch. Menschen die damit noch nie gearbeitet haben – nicht. Vollkommen in Ordnung: müssen se ja auch nicht.

Und so ist das auch mit Biersommelier und Menschen, die sich damit auseinandersetzen. „Das eignet sich auch eher als Degustationsbier.“ – „Ja, die Optik ist glanzfein.“ Das steht in dem Craft Bier Buch, was ich grade lese. Nicht, weil die Autorin so cool und hip ist. Nein. Sie ist Biersommelier. Und damit Expertin. Expertin die Fachbegriffe benutzt. In einem Buch, was sich niemand kaufen wird, der_die nicht ein Grundinteresse an Craft Bier hat. Und damit kann sie zu einem gewissen Grad eben auch Fachsprache benutzen.

Natürlich ist Sprache auch immer dazu da um zu zeigen, dass mer Seriös ist. Aber das tut jede_r – das ist kein Spezifikum von Menschen die Genussmittel verkosten und beschreiben.

Und ja: es gibt auch immer Deppen, die keine Ahnung haben und trotzdem mit allen möglichen aufgeschnappten Vokabeln rummackern, um mit ihrem coolen und hippen Wortschatz an zu geben.
Aber ganz im Ernst: sollen se machen. Ich lass mir davon mein Bier nich verderben. Und ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass ich mehr Ahnung von Verkostung und der Beschreibungssprache hätte, weil es mir unglaublich schwer fällt Geschmäcker zu beschreiben.

Grade auf der “Spiegelau“ Verkostung (hier der Bericht) hab ich gemerkt, dass mer Schmecken eben auch ein Stück weit lernen kann. Und das ist eigentlich ne ziemlich großartige Sache, weil ich da ne neue Welt von leckeren Dingen aufmacht. Und ich mag leckere Sachen.

Also: Scheuklappen weg. Lecker Bier trinken.

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Das “Du weißt ja wie ichs mein” und seine 3 Anwendungsarten.

Gemütlich zusammen sein. Ein Bier trinken. Alles gut. Dann kommt ein dummer Spruch – du verziehst die Miene und dein Gegenüber siehts. Noch bevor du was sagen kannst “Aber du weißt ja wie ichs mein” – ein Lächeln, und weiter. Hier ein kleiner Guide (natürlich nur aus meiner Perspektive) wie dieser Satz in Ordnung ist, oder einfach nur ein dämliches Äquivalent zu “Ich bin ja kein Sexist/Rassist .. aber..” ist.
Nr. 1
Ich sitze mit meinem besten Freund am Küchentisch. Wir trinken Bier und diskutieren über Politik. Zum Beispiel: den Nah-Ost Konflikt. Alkohol- und Emotionsbedingt finden wir nich immer die richtigen  Formulierungen für das, was wir gerne ausdrücken würden. “Ach du weißt ja wie ichs mein..” – und genauso ist es. Er is halt eher der Antideutsche/pro Israel Mensch und ich eher nicht.
Wenn mer wirklich mal nich weiß was die_der andere meint kommt von der anderen Person auch direkt als Antwort “Nö – weiß ich grade nicht.”

Nr.2
Mer kennt sich nicht so gut. Aber ab und an hat mer was miteinander zu tun. Versteht sich – hat aber bei nem gewissen Thema durchaus Differenzen. Mer diskutiert drüber. Nicht nur einmal. Kennt tatsächlich irgendwann grob die Position der anderen Person. Wie das zwischen Menschen dann ab und an mal is, neckt mer die andere Person dann auch mal mit ihren Positionen und Meinungen. Konterkariert. Provoziert. Wenn mer sich dann an grinst und ein “Du weißt wie ichs mein” sagt, is das meist in Ordnung. (Wie bei allem is das Maß und die Häufigkeit ein sehr entscheidender Faktor)

Nr.3.
Mer hat ab und an miteinander zu tun, aber mehr als oberflächliche Gespräche haben nie stattgefunden. Dann übertritt jemand die Grenzen von nem anderen Mensch. Ob körperlich oder verbal. Der Mensch der das macht weiß dann meist schon, dass das für die andere Person meist nicht so witzig ist. Deswegen kommt direkt die Ausrede “Ach, du weißt ja wie ichs mein”. In dem Falle ist das einfach nur dumm. Wenn mer Grenzen übertritt durch zB sexuelle Anspielungen oder rassistische “Witze” übetritt mer eben Grenzen. Mer sorgt dafür, dass andere Menschen sich unwohl fühlen. Aber anstatt dazu zu stehen, dass mer grade vielleicht Bockmist gebaut hat und die Konsequenzen zu tragen und zu sagen: sorry, dass war jetzt vielleicht zu viel, redet mer sich raus.

Also genau der gleiche Mechanismus wie bei “Ich bin ja nich…., aber..” Mer weiß auf ner menschlichen Ebene schon, dass das, was dann gesagt wird wahrscheinlich zB sexistisch ist. Mer möchte aber bitte nicht die Verantwortung dafür tragen und auch gar nicht reflektieren, was mer da sagt. Wer solche Sprüche bringt, sagt meistens auch “Ich bin halt direkt – ich kann nix anfangen mit solchen politisch Korrekten”. Dabei gehts hier gar nich um irgendwas “politisch korrektes” (so ein dummer Begriff) sondern darum, dass mer andere Menschen schlicht nicht respektiert bzw akzeptiert.

Und wisster was: das ist scheiße.

Natürlich kommts wieder auf die Häufigkeit an. Mer sacht sowas mal flapsig daher. Aber wenn jemand das ständig macht hats schlicht Methode.

Zusammengefasst: achtet doch einfach mal ein bisschen drauf in welchem Verhältnis ihr zu Menschen steht und ob das, was ihr grade sagt und_oder tut wirklich notwendig is, oder einfach nur stump verletzt, demütigt oder beleidigt.

Und nochwas. Wenn euch jemand sagt, dass sie_er sich mit sowas unwohl fühlt. Dann kann mer das auch mal akzeptieren und Rücksicht nehmen. Dinge die eine_n verletzen oder wehtun an zu sprechen,  is schon ne extreme überwindung und meistens machen Menschen das nicht aus Spaß, oder Prinzip, sondern weils ihnen einfach wirklich beschissen damit geht.

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